Mit dem sogenannten „Masthuhn-Report 2025“ legt die Albert Schweitzer Stiftung erneut ein umfassendes Tierschutz-Ranking der deutschen Lebensmittelwirtschaft vor. Der Bericht basiert erstmals auf einer einheitlichen Bewertungssystematik für Lebensmitteleinzelhandel, Systemgastronomie, Hersteller, Caterer und Produzenten – und zeigt große Unterschiede beim Engagement der Unternehmen.
Bewertet wurden unter anderem verbindliche Commitments, öffentlich einsehbare Roadmaps sowie Fortschrittsberichte. Aus diesen Angaben ergibt sich ein Scoring von 0 bis 100 %, das die tatsächliche Umsetzung der Tierschutzziele vergleichbar macht. Zwar haben sich inzwischen mehr als 110 Unternehmen der Masthuhn-Initiative angeschlossen, doch viele große Player verweigern sich weiterhin einem klaren Bekenntnis.
Einzelhandel: Globus überholt Tegut, Edeka weiter Schlusslicht
Im Lebensmitteleinzelhandel gelingt Globus mit einem Score von 77 % der Sprung an die Spitze. Tegut fällt mit 73 % leicht zurück, da sein Tierschutz-Commitment aktuell nur Frischfleisch umfasst. Bei den Discountern führt Aldi Süd mit 70 %, gefolgt von Aldi Nord (63 %) und Penny (57 %). Lidl (40 %) bekannte sich erst nach Ende des Bewertungszeitraums zur Masthuhn-Initiative, zeigt aber mit konkreten Zielen eine klare Richtungsänderung.
Am unteren Ende rangieren Netto ApS und Netto Marken-Discount mit 0 %. Letzterer könnte von neuen Tierschutzzielen bei Mutterkonzern Edeka profitieren – dieser liegt aktuell ebenfalls bei 0 %, hat aber erste Fortschritte angekündigt.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Systemgastronomie: Marktführer zeigen keine Bewegung
Besonders kritisch fällt die Bewertung der Systemgastronomie aus: McDonald’s und Burger King erzielen jeweils 0 % und bleiben damit weit hinter ihrer Marktbedeutung zurück. Beide Unternehmen verzichten weiterhin auf eine verbindliche Zusage zur Verbesserung der Haltungsbedingungen.
Demgegenüber zeigen Dean & David sowie L’Osteria, dass Fortschritte möglich sind. Beide erreichen 73 % und verbessern sich damit um 29 Prozentpunkte zum Vorjahr – dank transparenter Roadmaps und regelmäßiger Berichterstattung.
Hersteller: Dr. Oetker an der Spitze, Eismann außen vor
Auch bei den Lebensmittelherstellern gibt es große Unterschiede. Dr. Oetker führt das Ranking mit starken 93 % an und zeigt, wie Verantwortung entlang der Lieferkette aussehen kann. Frosta folgt mit 70 %. Eismann hingegen bleibt wie im Vorjahr bei 0 % und stellt sich weiterhin quer. Unilever zieht sich fast vollständig aus der Bewertung zurück – offenbar wegen eines stark geschrumpften Hühnerfleisch-Sortiments.
Catering: Positive Entwicklung mit strukturellen Hürden
Erfreulich fällt der Blick auf die Cateringbranche aus. Hier engagieren sich 21 größere Anbieter für bessere Haltungsbedingungen. Sodexo (70 %), Apetito (67 %) und Compass (57 %) zeigen mit detaillierten Roadmaps und Fortschrittsberichten klare Ambitionen. Dennoch bleibt der Weg steinig: Hoher Kostendruck und ein knappes Angebot an tierschutzkonformer Ware bremsen die Umsetzung.
Die Stiftung betont, dass hier auch politische Unterstützung gefragt ist, um flächendeckend höhere Standards realisieren zu können – insbesondere in der Schul-, Kita- und Krankenhausverpflegung.
Produzenten: Plukon überzeugt, Rothkötter verweigert sich
Bei den Produzenten zeigen Unternehmen wie Plukon (87 %), PHW/Lohmann (77 %) und LDC (77 %), wie Transparenz und Planung zu besseren Standards führen können. Dagegen bleiben Rothkötter und Sprehe mit 0 % deutlich zurück – trotz ihrer Größe und Marktbedeutung. Die Stiftung mahnt: Gerade die großen Schlachtunternehmen müssten Vorreiter bei der Umsetzung von Tierschutzzielen sein.


