Der Facebook-Konzern Meta hat rivalisierenden KI-Chatbots vorübergehend kostenlosen Zugang zu WhatsApp eingeräumt, um ein mögliches Kartellverfahren der Europäischen Union abzuwenden. Hintergrund sind anhaltende Wettbewerbsbedenken der EU-Kommission hinsichtlich der Zugangsbedingungen für Drittanbieter auf der Messaging-Plattform.
Wie Reuters berichtet, erhalten nach Angaben des Unternehmens allgemeine KI-Chatbots im Europäischen Wirtschaftsraum für einen Monat kostenlosen Zugriff auf die WhatsApp-Business-API. Die Maßnahme soll Meta und der EU-Kommission Zeit verschaffen, um eine Einigung im laufenden Verfahren zu erzielen.
Die EU begrüßte den Schritt als Grundlage für weitere Gespräche über mögliche Verpflichtungszusagen des Konzerns.
EU sieht Wettbewerbsverstöße bei WhatsApp-Zugang
Auslöser des Konflikts war eine Änderung der WhatsApp-Richtlinien im vergangenen Jahr. Meta hatte zunächst konkurrierenden KI-Anbietern den Zugang zur Plattform weitgehend entzogen und gleichzeitig den eigenen Assistenten „Meta AI“ bevorzugt integriert.
Die EU-Kommission leitete daraufhin Ende 2025 ein Wettbewerbsverfahren ein. Bereits Anfang 2026 informierten die Wettbewerbshüter Meta darüber, dass die neuen Zugangsbedingungen aus ihrer Sicht gegen europäisches Kartellrecht verstoßen könnten.
Im März hatte Meta zwar angekündigt, Drittanbietern wieder Zugang zu ermöglichen, diesen jedoch an Gebühren gekoppelt. Die Kommission bewertete dieses Modell laut Medienberichten als faktisch vergleichbar mit dem ursprünglichen Ausschluss konkurrierender Anbieter.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Kostenloser Zugang soll Einigung ermöglichen
Mit dem nun angekündigten kostenfreien Zugang versucht Meta offenbar, eine formelle Entscheidung und mögliche Strafzahlungen zu vermeiden. Im Raum steht eine potenzielle Geldbuße von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes des Konzerns.
Nach Angaben der EU-Kommission schafft der Schritt „angemessene Bedingungen“, um über konkrete Verpflichtungen Metas zur Öffnung der Plattform zu verhandeln. Gleichzeitig betonte die Behörde, dass das Zeitfenster für eine Einigung begrenzt sei.
Das Verfahren betrifft grundsätzlich den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum, mit Ausnahme Italiens. Dort laufen bereits separate Untersuchungen der nationalen Wettbewerbsbehörden.
KI-Wettbewerb rückt stärker in den Fokus der Regulierung
Der Fall zeigt, wie stark sich die europäischen Wettbewerbshüter inzwischen auf KI-Plattformen und digitale Ökosysteme konzentrieren. Besonders kritisch betrachtet die EU den möglichen Vorteil großer Plattformanbieter, wenn diese eigene KI-Dienste gegenüber Drittanbietern bevorzugen.
WhatsApp gilt dabei als strategisch wichtige Infrastruktur für KI-gestützte Assistenten und Kundenkommunikation. Der Zugang zur Plattform kann entscheidend dafür sein, wie schnell sich neue KI-Dienste im Markt etablieren.
Ausgelöst wurde das Verfahren unter anderem durch Beschwerden von Wettbewerbern, darunter der US-Anbieter The Interaction Company sowie ein spanischer Konkurrent im Bereich KI-Assistenten.
Meta versucht Eskalation mit der EU zu vermeiden
Für Meta steht neben möglichen finanziellen Sanktionen auch die grundsätzliche Regulierung seiner KI- und Plattformstrategie in Europa auf dem Spiel. Der Konzern bemüht sich seit Monaten darum, neue KI-Produkte trotz strenger europäischer Vorgaben im Markt einzuführen.
Die nun gewährte Übergangsregelung könnte daher Teil eines größeren Kompromisses zwischen Meta und den europäischen Wettbewerbshütern werden. Ob eine dauerhafte Einigung gelingt, bleibt jedoch offen.




