Der Fast-Fashion-Händler Shein muss seine Ambitionen für den bevorstehenden Börsengang in Hongkong offenbar erneut deutlich zurückschrauben. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters dürfte das Unternehmen beim IPO nur noch mit rund 25 Milliarden US-Dollar bewertet werden. Eine weitere mit den Plänen vertraute Quelle nennt auf Basis der Vermarktungsspanne einen Korridor von 25 bis 28 Milliarden Dollar. Noch Anfang August hatte Shein demnach eine Bewertung zwischen 30 und 40 Milliarden Dollar angestrebt.
Damit setzt sich der massive Wertverlust des Onlinehändlers fort. Bei einer Finanzierungsrunde 2022 war Shein noch mit 98,2 Milliarden Dollar bewertet worden. 2023 sank der Wert im Zuge einer Kapitalrunde bereits auf 66 Milliarden Dollar. Reuters zufolge lag die Bewertung 2024 bei rund 64 Milliarden Dollar. Die jetzt diskutierten 25 Milliarden Dollar entsprechen damit nur noch gut einem Viertel des Spitzenwerts von 2022.
Börsengang könnte bis zu zwei Milliarden Dollar einbringen
Shein könnte nach den Reuters-Informationen bis zu acht Prozent seiner Aktien beim Hongkong-IPO platzieren. Bei einer Unternehmensbewertung von 25 Milliarden Dollar ergäbe sich daraus ein Emissionsvolumen von maximal rund zwei Milliarden Dollar. Der Start des Angebots wird noch für diese Woche erwartet. Zuletzt war ein Börsendebüt am 28. August im Gespräch.
Die deutlich niedrigere Bewertung spiegelt wachsende Zweifel der Investoren an den weiteren Wachstumsaussichten wider. Shein erzielte 2025 zwar einen Umsatz von 41,8 Milliarden Dollar, ein Plus von acht Prozent. Der Nettogewinn sank jedoch um 39 Prozent auf 2,06 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2026 fiel das Unternehmen in die roten Zahlen und verbuchte einen Verlust von 99 Millionen Dollar.
Belastend wirken vor allem neue Handelsregeln in wichtigen Absatzmärkten. In den USA trifft Shein das Ende der de minimis-Zollbefreiung für niedrigpreisige Kleinsendungen. Gleichzeitig verschärft Europa die Bedingungen für günstige E-Commerce-Importe mit der seit Juli gültigen 3-Euro-Pauschalabgabe. Hinzu kommen intensiver Wettbewerb und steigende Kosten. Diese Faktoren schwächen ein Geschäftsmodell, das lange von der direkten und preisgünstigen Belieferung internationaler Kunden aus China profitierte.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Von fast 100 Milliarden auf 25 Milliarden Dollar
Der Weg zur Börse ist für Shein bereits seit Jahren von Rückschlägen geprägt. Ursprünglich strebte der in China gegründete und heute in Singapur ansässige Händler eine Notierung in New York an. Politischer und regulatorischer Widerstand in den USA führte jedoch zu einer Neuorientierung Richtung London.
Auch dort ging es mit der Bewertung bergab. Anfang 2025 berichtete Reuters zunächst über Pläne, Shein beim möglichen Londoner Börsengang mit rund 50 Milliarden Dollar anzusetzen. Kurz darauf gab es Berichte über Druck von Investoren, den Wert sogar auf etwa 30 Milliarden Dollar zu reduzieren. Das London-Projekt kam schließlich nicht zustande.
Im Mai 2025 wurde bekannt, dass Shein stattdessen Hongkong ansteuert. Hintergrund war unter anderem die ausbleibende Zustimmung chinesischer Behörden zum geplanten Londoner Börsengang. Im Juli 2026 erhielt Shein schließlich die notwendige Genehmigung der chinesischen Wertpapieraufsicht für den Hongkong-IPO.
Bewertung wurde innerhalb weniger Wochen mehrfach reduziert
Noch Mitte Juli lag die für Hongkong diskutierte Bewertung bei 40 bis 50 Milliarden Dollar. Ende Juli veröffentlichte Shein im Zuge des Börsenprozesses erstmals detailliertere Finanzdaten. Anfang August wurde die Zielspanne bereits auf 30 bis 40 Milliarden Dollar reduziert. Nun steht mit rund 25 Milliarden Dollar innerhalb weniger Wochen die nächste Abwärtskorrektur im Raum.
Für Shein wird der Börsengang damit auch zu einem Test, welchen Preis Investoren einem Unternehmen zugestehen, das noch vor wenigen Jahren als einer der weltweit wertvollsten privaten Onlinehändler galt. Der geplante IPO könnte den jahrelangen Anlauf über New York, London und schließlich Hongkong zwar zum Abschluss bringen. Die dafür voraussichtlich akzeptierte Bewertung zeigt jedoch, wie stark sich die Erwartungen an das Wachstum des Fast-Fashion-Konzerns verändert haben.






