Snap will Snapchat zur Anlaufstelle für innovative KI-Anwendungen machen – und setzt dafür auf eine milliardenschwere Partnerschaft mit dem aufstrebenden US-Start-up Perplexity. Ab Anfang 2026 wird laut Investorenmitteilung die KI-Suchfunktion direkt in den Chatbereich der App eingebunden. Perplexity zahlt Snap dafür rund 400 Mio. Euro (ca. 400 Mio. US-Dollar) – ein Mix aus Bargeld und Anteilen.
Neue KI-Funktion direkt im Chat
Die Integration erlaubt es Nutzern, direkt in Snapchat Fragen zu stellen und auf Basis verifizierter Quellen Antworten zu erhalten. Die Funktion ergänzt das bestehende KI-Feature „My AI“, das auf Technologien von OpenAI und Google basiert. Die beiden Chatbots sollen künftig nebeneinander existieren und unterschiedliche Anwendungsfälle abdecken: Während „My AI“ primär auf Unterhaltung und Interaktion ausgerichtet ist, fokussiert sich Perplexity auf faktenbasierte Informationssuche.
Snap sieht in der Kooperation die Chance, die Neugier von Nutzern gezielt anzusprechen. „Perplexitys Mission ist es, die weltweite Neugier zu unterstützen“, sagte Perplexity-CEO Aravind Srinivas. „Durch die Integration in Snapchat erreichen wir die Menschen direkt dort, wo ihre Fragen entstehen.“
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Snap profitiert von KI-Interesse – Aktie legt zu
Die Märkte reagierten positiv auf die Ankündigung: Die Snap-Aktie legte am Tag der Verkündung (5. November) um über 14 Prozent zu. Der Konzern präsentierte außerdem starke Quartalszahlen. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 10 Prozent auf 1,5 Mrd. US-Dollar (ca. 1,4 Mrd. Euro), wobei das Werbegeschäft mit 1,32 Mrd. Dollar (ca. 1,24 Mrd. Euro) weiterhin den Großteil der Einnahmen ausmacht.
Auch bei den Nutzerzahlen zeigt die Kurve nach oben: Snapchat verzeichnet aktuell 943 Mio. monatlich aktive Nutzer – ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark ist die App bei jungen Zielgruppen: Über 75 Prozent der 13- bis 34-Jährigen in mehr als zwei Dutzend Ländern nutzen die Plattform regelmäßig. Dennoch bleibt Snapchat weit hinter Instagram, das kürzlich die Marke von drei Milliarden MAUs durchbrochen hat.
Kritik an Perplexity bleibt bestehen
Die neue Partnerschaft mit Snap ist nicht die einzige Expansion von Perplexity: Erst kürzlich verkündete das Unternehmen einen mehrjährigen Deal mit Getty Images zur Nutzung lizenzierter Inhalte. Gleichzeitig steht Perplexity unter Druck: Amazon reichte diese Woche eine Klage gegen das Start-up ein. Der Vorwurf: Das KI-Unternehmen soll Inhalte ohne Genehmigung scrapen und seinen KI-Agenten „Comet“ für automatisierte Onlinekäufe einsetzen – ein möglicher Verstoß gegen das US-Computerbetrugsgesetz.
Trotz dieser Kontroversen setzen sowohl Snap als auch Perplexity auf die wachsende Bedeutung von KI im Alltag. Snap-CEO Evan Spiegel betonte, man wolle künftig verstärkt mit innovativen KI-Anbietern zusammenarbeiten: „Unser Ziel ist es, KI persönlicher, sozialer und unterhaltsamer zu machen – eingebettet in Snaps, Chats und Freundschaften.“


