Das kanadische E-Commerce-Unternehmen Ssense hat sich Berichten nach mit seinen Gläubigern auf einen Restrukturierungsplan geeinigt und erhält im Zuge dessen eine Zwischenfinanzierung in Höhe von rund 40 Millionen US-Dollar (etwa 37 Millionen Euro). Dies berichtet das kanadische Tech-Magazin Betakit. Damit kann der Modehändler seine Geschäfte fortführen und unter bestehender Führung neu aufstellen.
Gericht genehmigt Gläubigerschutzverfahren
Wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht, hat das zuständige Gericht in Québec am 12. September dem Antrag von Ssense auf ein Verfahren nach dem kanadischen Gläubigerschutzgesetz (CCAA) zugestimmt. Dieses schützt das Unternehmen nun für 30 Tage vor Vollstreckungsmaßnahmen durch Gläubiger. Die Maßnahme soll Ssense Zeit verschaffen, um seinen Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und eine tragfähige Zukunftsperspektive zu entwickeln.
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Frisches Kapital von Banken und Gründern
Teil des Restrukturierungsplans ist eine Zwischenfinanzierung: 15 Millionen US-Dollar (etwa 14 Mio. Euro) kommen von Bankpartnern wie der Bank of Montreal, der Royal Bank of Canada, Scotiabank, der National Bank of Canada und JPMorgan Chase. Weitere 25 Millionen US-Dollar (rund 23 Mio. Euro) steuern die Gründer von Ssense selbst bei. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young wurde vom Gericht als Aufseher des Verfahrens eingesetzt.
Massive Einsparungen und Stellenabbau
Zur Kostenreduzierung hat Ssense bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Seit Anfang 2023 wurden rund 350 Mitarbeitende entlassen, Abend- und Doppelschichten gestrichen sowie interne Prozesse optimiert. Auch aufseiten der Beschaffung und Werbung wurde gespart – unter anderem durch eine stärkere Nutzung eigener Algorithmen. Diese Schritte sollen allein im laufenden Jahr Einsparungen von rund 36 Millionen US-Dollar gebracht haben.
Neustart mit Option auf Verkauf
Trotz der Finanzspritze bleibt die Situation angespannt. Das Unternehmen kündigte an, parallel ein sogenanntes SISP-Verfahren (Sale and Investment Solicitation Process) einzuleiten, bei dem neue Investoren oder Käufer gesucht werden. Damit steht auch ein möglicher Verkauf von Ssense weiterhin im Raum. Die Unternehmensgründer, darunter CEO Rami Atallah, äußerten sich dennoch optimistisch und sehen im aktuellen Verfahren eine Chance auf einen nachhaltigen Neustart.


