ANZEIGE

ANZEIGE

Kündigungsschutz und Arbeitszeit: Beschäftigte und Entscheider bleiben skeptisch

Berater in einem verglasten Büro
Foto: Andrea Piacquadio / Pexels

Key takeaways

➟ Mehr Flexibilität im Arbeitsrecht findet auch auf Unternehmensseite keine uneingeschränkte Zustimmung. Eine Indeed-Umfrage zeigt, dass viele Entscheider bestehende Schutzrechte zugleich als Vorteil für Arbeitgeberattraktivität, Stabilität und Fachkräftesicherung betrachten.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Eine weitreichende Lockerung von Arbeitnehmerrechten stößt bei Beschäftigten und Unternehmensentscheidern in Deutschland auf erhebliche Vorbehalte. Eine aktuelle Indeed-Umfrage zeigt, dass Unternehmen bestehende Schutzrechte trotz des Wunsches nach mehr Flexibilität teilweise als Vorteil für Arbeitgeberattraktivität, Fachkräftesicherung und Stabilität bewerten.

Für die Untersuchung befragte YouGov im Auftrag von Indeed 1.097 Beschäftigte ohne Führungsverantwortung sowie 331 Unternehmensentscheider. Besonders bei Kündigungsschutz und Arbeitszeitregelungen wünschen sich Teile der Unternehmensseite mehr Spielraum. Ein pauschaler Abbau des bestehenden Schutzniveaus findet jedoch keine breite Unterstützung.

Mehrheit sieht Schutzniveau als Standortvorteil

67,4 Prozent der befragten Entscheider sind der Ansicht, dass das hohe Schutzniveau Unternehmen in Deutschland zuverlässiger und attraktiver erscheinen lässt und damit die Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland unterstützt. 52,9 Prozent bewerten Arbeitnehmerrechte zudem als positiven Faktor für den Unternehmenserfolg.

Bei einzelnen Regelungen fällt das Urteil differenzierter aus. Für eine Lockerung des Kündigungsschutzes sprechen sich 49,2 Prozent aus. Die meisten davon befürworten allerdings nur begrenzte Änderungen. 36,6 Prozent wollen eine teilweise Aufweichung, während 12,7 Prozent uneingeschränkt dafür sind. Gleichzeitig lehnen 47,7 Prozent eine Lockerung ab.

Besonders hoch ist die Zustimmung zu Änderungen in den Geschäftsführungen, wo 65 Prozent eine Aufweichung befürworten. Strenge Vorgaben zu Ruhe- und Maximalarbeitszeiten betrachten 39 Prozent der Entscheider eher als Hindernis. Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und die betriebliche Mitbestimmung werden dagegen häufiger als Vorteil wahrgenommen.

Anzeige

Gewinnen in der Plattform-Ökonomie

von Alexander Graf – der Leitfaden für Handelsentscheider
★★★★☆ 4,4 / 5 Sterne
Jetzt bei Amazon entdecken

Unternehmen fürchten sinkende Motivation

Auch die erwarteten Folgen eines umfassenden Abbaus von Arbeitnehmerrechten fallen aus Unternehmenssicht kritisch aus. 49,9 Prozent der Entscheider rechnen bei drastischen Einschnitten mit größerer interner Unsicherheit und einer sinkenden Arbeitsmoral. 29,9 Prozent erwarten dagegen keine spürbaren Veränderungen.

Fast die Hälfte der Unternehmensentscheider hält zudem die öffentliche Diskussion über einen vermeintlich zu starken Arbeitnehmerschutz für wenig passend zur betrieblichen Realität. Unter den Gegnern einer Lockerung des Kündigungsschutzes betrachten 55,7 Prozent stabile Teams als wichtiger als flexiblere Kündigungsmöglichkeiten.

Auch die Annahme, ein strenger Kündigungsschutz halte in großem Umfang leistungsschwächere Beschäftigte in den Unternehmen, findet in der Befragung nur begrenzte Unterstützung. Lediglich 13,3 Prozent der Entscheider schätzen, dass dies auf mehr als ein Fünftel ihrer Belegschaft zutrifft.

Beschäftigte sorgen sich um zentrale Schutzrechte

Auf Arbeitnehmerseite lösen mögliche Änderungen vor allem bei der Lohnfortzahlung, den Ruhezeiten und dem Kündigungsschutz Sorgen aus. Eine Kürzung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall würde 71,4 Prozent der Beschäftigten belasten.

Bei einer Abschaffung fester Ruhezeiten äußern 57,8 Prozent entsprechende Sorgen. Eine Aufweichung des Kündigungsschutzes bereitet 55,1 Prozent der Befragten Unbehagen.

Die Diskussion fällt dabei in eine wirtschaftlich ohnehin unsichere Phase. 45,8 Prozent der Beschäftigten geben an, dass sich die Kombination aus wirtschaftlicher Unsicherheit und der Debatte über einen Abbau von Schutzrechten negativ auf ihre mentale Verfassung auswirkt.

Vertrauen in Arbeitgeber fällt unterschiedlich aus

41,3 Prozent der Beschäftigten vertrauen ihrem Arbeitgeber nach eigenen Angaben vollständig, sie in Krisenzeiten zu schützen. 35,5 Prozent äußern dagegen Skepsis, während 17,1 Prozent das Vertrauen weitgehend verloren haben.

Die Sorge um den Arbeitsplatz beeinflusst teilweise auch das Verhalten im Berufsalltag. 24,3 Prozent verzichten aus Angst vor negativen Konsequenzen auf Homeoffice oder gehen trotz Krankheit zur Arbeit, um nicht negativ aufzufallen.

Darüber hinaus leisten Beschäftigte unbezahlte Mehrarbeit oder bearbeiten berufliche Nachrichten außerhalb regulärer Arbeitszeiten. Laut Befragung betrifft dies 25,9 Prozent und reicht bis zur Kommunikation nach Feierabend oder während des Urlaubs.

Reformdebatte verlangt Abwägung zwischen Schutz und Flexibilität

Indeed sieht durchaus Potenzial für mehr Flexibilität bei Beschäftigungsverhältnissen. Anpassungen beispielsweise beim Kündigungsschutz oder bei befristeten Arbeitsverträgen könnten nach Einschätzung der Arbeitsmarktökonomin Virginia Sondergeld die Mobilität zwischen schrumpfenden und wachsenden Wirtschaftsbereichen erleichtern.

Die Befragung zeigt zugleich, dass Schutzrechte aus Sicht vieler Unternehmen wirtschaftliche Vorteile bieten können. Verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen könnten Arbeitgeberattraktivität und Fachkräftesicherung unterstützen, während ein weitreichender Abbau zusätzliche Unsicherheit innerhalb der Belegschaften auslösen könnte.

Die Ergebnisse sprechen damit nicht für eine einfache Gegenüberstellung von Unternehmensinteressen und Arbeitnehmerschutz. Vielmehr hängt die Bewertung stark von der jeweiligen Regelung ab: Während bei Kündigungsschutz und Arbeitszeiten ein erheblicher Teil der Entscheider mehr Flexibilität befürwortet, werden andere Schutzrechte ausdrücklich als betrieblicher Vorteil wahrgenommen.

Must-read

ANZEIGE
JANGER E-Commerce
Wer als Shop-Betreiber, E-Commerce Manager oder Gründer einer E-Commerce-Marke erfolgreich werden möchte, muss drei grundsätzliche Faktoren, Verkaufspsychologie, Außendarstellung und Design sowie Nutzererlebnis, verinnerlichen.

Top-News

Sponsored

Sponsored