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Zahl der Apotheken sinkt auf historischen Tiefstand – und Online boomt dank E-Rezept

Altes Apotheken Schild an einem Fachwerkhaus
Foto: Depositphotos

Key takeaways

Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist erneut gesunken. Laut Apothekerverbänden stehen steigende Kosten und stagnierende Honorare hinter der Entwicklung. Doch auch die starke Online-Konkurrenz hat Spuren hinterlassen - der Strukturwandel hat längst begonnen.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Zum Jahresende 2025 ist die Zahl der Apotheken in Deutschland auf 16.601 gefallen – so wenige wie seit fast 50 Jahren nicht mehr. Nach Angaben der ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, sank die Zahl der Betriebsstätten im Vergleich zum Vorjahr um 440 Apotheken beziehungsweise 2,6 Prozent. 502 Schließungen standen lediglich 62 Neueröffnungen gegenüber. Bereits seit 2013 hat sich die Zahl der Apotheken damit um rund 20 Prozent reduziert.

Auch die aktuellen Ergebnisse des APOkix-Konjunkturindex des IFH Köln zeigen ein düsteres Bild: Im Jahr 2025 bewerteten zwei Drittel der Apothekeninhaber ihre wirtschaftliche Lage negativ. Und auch mit Blick auf 2026 herrscht wenig Optimismus. Nur 12 Prozent der Befragten gehen zuversichtlich ins neue Jahr.

Strukturelle Ursachen und wirtschaftlicher Druck

Ein wesentlicher Grund für die Entwicklung liegt laut ABDA in der stagnierenden Vergütungspolitik. Seit der Umstellung der Arzneimittelpreisverordnung auf ein fixes Packungshonorar im Jahr 2004 gab es nur eine einzige Erhöhung: 2013 wurde das Festhonorar um 3,1 Prozent angehoben. Seitdem seien die Kosten in den Apotheken um 65 Prozent gestiegen, so ABDA-Präsident Thomas Preis. Viele Betriebe stünden wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Eine weitere Verschärfung sieht die ABDA in der Tatsache, dass eine im Koalitionsvertrag von Mai 2025 vereinbarte Anhebung auf 9,50 Euro bislang nicht umgesetzt wurde.

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E-Rezept als Beschleuniger des Strukturwandels

Ein zusätzlicher Beschleuniger des Strukturwandels im Apothekenmarkt ist die schrittweise Einführung des E-Rezepts. Seit der verpflichtenden Nutzung für verschreibungspflichtige Arzneimittel hat sich der Zugang zu Medikamenten grundlegend verändert.

Patientinnen und Patienten können Rezepte digital einlösen und sind nicht mehr an den physischen Gang in eine Vor-Ort-Apotheke gebunden. Insbesondere jüngere, digital affine Kundengruppen nutzen diese Möglichkeit zunehmend, um Medikamente direkt bei Versandapotheken zu bestellen. Damit verschiebt sich ein relevanter Teil der Nachfrage von stationären Apotheken hin zu digitalen Anbietern.

Umsatzimpulse für Online-Apotheken

Von dieser Entwicklung profitieren vor allem große Online-Apotheken, die frühzeitig in digitale Prozesse, Logistik und Marketing investiert haben. Ein prominentes Beispiel ist Redcare Pharmacy (ehemals Shop Apotheke Europe). Das Unternehmen meldete in den vergangenen Quartalen deutliche Umsatzsteigerungen im rezeptpflichtigen Segment, die maßgeblich auf das E-Rezept zurückgeführt werden.

Während der Rx-Umsatz zuvor nur eine untergeordnete Rolle spielte, entwickelt er sich zunehmend zu einer tragenden Säule des Geschäftsmodells. Analysten sehen darin einen strukturellen Wachstumstreiber, der weit über kurzfristige Effekte hinausgeht.

Auch dm verkauft jetzt Arzneimittel

Der Wettbewerbsdruck auf Apotheken hat sich zudem weiter erhöht, weil auch dm den Verkauf nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel begonnen hat. Die beliebte Drogeriemarktkette hat ihr Online-Angebot ausgeweitet und bietet seit Kurzem rezeptfreie Medikamente wie Schmerzmittel, Erkältungs- und Allergiepräparate über ihren Webshop an. Der Vertrieb erfolgt ausschließlich online, die Auslieferung über ein Logistikzentrum in Tschechien. Stationär bleiben die Arzneimittel bislang außen vor, obwohl dm in einzelnen Filialen bereits Gesundheitsservices wie Augenscreenings etabliert hat.

Vor allem der Schritt von dm stößt auf deutliche Kritik seitens der Apothekerschaft. Der Deutscher Apothekerverband warnte vor einer Verunsicherung der Verbraucher und einer Verwischung der Abgrenzung zwischen Apotheken und Drogeriemärkten. Gerade bei akuten Beschwerden sei eine fachliche Beratung unverzichtbar. Für viele Vor-Ort-Apotheken bedeutet der Markteintritt eines reichweitenstarken, preisaggressiven Händlers eine zusätzliche Belastung – und unterstreicht, wie stark sich der Wettbewerb um Gesundheitsprodukte zunehmend außerhalb der klassischen Apothekenstrukturen verlagert.

Wachsende Kluft zwischen Online und Vor-Ort

Für viele stationäre Apotheken verschärft das E-Rezept hingegen den Wettbewerbsdruck. Ihnen fehlen häufig die finanziellen und technischen Ressourcen, um mit der Benutzerfreundlichkeit und Reichweite großer Plattformen mitzuhalten. Gleichzeitig bleiben sie an gesetzliche Vorgaben, begrenzte Margen und hohe Fixkosten gebunden.

Das Ergebnis ist eine wachsende Kluft zwischen digital skalierbaren Geschäftsmodellen und lokal verankerten Apothekenbetrieben. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass das E-Rezept den bereits seit Jahren anhaltenden Konzentrationsprozess weiter verstärken und damit auch künftig zur Ausdünnung der Apothekenlandschaft beitragen wird.

Folgen für die Versorgungssicherheit

Die Apothekerverbände warnen eindringlich vor den Auswirkungen der anhaltenden Schließungen auf die Arzneimittelversorgung: „Immer mehr Menschen müssen immer weitere Wege zur nächsten Apotheke in Kauf nehmen.“ Gerade für ältere oder immobile Personen stelle das ein erhebliches Problem dar, vor allem bei extremen Wetterlagen. Zwar könnten Botendienste helfen, doch sie ersetzten nur bedingt den persönlichen Besuch. Die kontinuierliche Reduktion der Apothekenzahl schwäche die Resilienz des Gesundheitssystems insgesamt.

Der Rückgang auf das heutige Niveau ist historisch bedeutsam: 1977 – noch vor der Wiedervereinigung – wurden in Ost- und Westdeutschland zusammen 16.374 Apotheken gezählt. Trotz eines leichten Rückgangs des Schrumpfungstempos im Vergleich zu den Vorjahren bleibt die Lage angespannt. Die ABDA fordert eine umfassende Reform, bei der auch die Honoraranpassung berücksichtigt wird, um die wohnortnahe Versorgung nachhaltig zu sichern.

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