Digitale Zwillinge gelten für viele Industrieunternehmen als Schlüsseltechnologie der Zukunft. Dennoch scheitert der praktische Einsatz nach Ansicht zahlreicher Betriebe häufig an fehlenden Daten und unzureichender IT-Infrastruktur. Das geht aus einer aktuellen Befragung des Digitalverbands Bitkom hervor.
Für die Studie wurden 555 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass digitale Zwillinge zwar als wichtiger Wettbewerbsfaktor wahrgenommen werden, viele Unternehmen jedoch noch deutlichen Nachholbedarf sehen.
Mehrheit sieht hohe Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit
Unter digitalen Zwillingen versteht man digitale Abbilder von Maschinen, Anlagen oder kompletten Fabriken. Mithilfe von Echtzeitdaten lassen sich Prozesse simulieren, überwachen und optimieren.
Nach Einschätzung von 62 Prozent der befragten Industrieunternehmen haben digitale Zwillinge eine große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit. Davon sprechen 27 Prozent sogar von einer sehr großen Relevanz. Gleichzeitig messen 36 Prozent der Technologie bislang nur eine geringe Bedeutung bei.
Trotz der positiven Einschätzung sehen sich viele Unternehmen bei der Umsetzung nicht gut aufgestellt. Lediglich 23 Prozent bewerten sich selbst als Vorreiter oder führend in diesem Bereich. Dagegen betrachten sich 60 Prozent eher als Nachzügler, während 14 Prozent glauben, den Anschluss bereits verpasst zu haben.
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Fehlende Daten und Infrastruktur als größte Hürden
Besonders kritisch sehen viele Unternehmen die technische Basis für digitale Zwillinge. 57 Prozent der Befragten geben an, dass notwendige Daten für den Einsatz fehlen. Fast jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) sieht zudem Defizite bei der IT-Infrastruktur als Grund dafür, dass Projekte rund um digitale Zwillinge häufig scheitern.
Bitkom-Vizepräsidentin Dr. Tanja Rückert betont die zentrale Rolle von Daten für die Technologie. Unternehmen sollten sich intensiver mit bestehenden Initiativen und Erkenntnissen beschäftigen und Daten stärker auch gemeinsam nutzen. Gleichzeitig fordert sie politische Unterstützung, etwa durch niedrigschwellige KI-Förderprogramme speziell für mittelständische Unternehmen.
Industrie erwartet effizientere Prozesse und weniger Ausfälle
Die Industrie verbindet mit digitalen Zwillingen vor allem Vorteile für Produktionsabläufe. 79 Prozent der Unternehmen erwarten durch die Technologie eine bessere vorausschauende Wartung und damit weniger ungeplante Ausfälle.
58 Prozent sehen Potenziale für effizientere Produktionsprozesse. Ebenso viele Unternehmen gehen davon aus, dass digitale Zwillinge neue Geschäftsmodelle ermöglichen könnten.
Auch Nachhaltigkeitsaspekte spielen eine Rolle. Zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) sind überzeugt, dass digitale Zwillinge helfen können, Emissionen zu reduzieren und Ressourcen effizienter einzusetzen.
Die Ergebnisse der Bitkom-Umfrage zeigen damit ein ambivalentes Bild: Während die Technologie als strategisch wichtig gilt, fehlen vielerorts noch die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für einen breiten Einsatz.


