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Cyberattacke: E-Commerce von De Bijenkorf womöglich wochenlang lahmgelegt

De Bijenkorf Flagship Store in Amsterdam
Foto: De Bijenkorf

Key takeaways

Ein schwerer Cyberangriff auf CEVA Logistics beeinträchtigt die Abläufe mehrerer europäischer Händler - und das womöglich noch mehrere Wochen. Besonders heftig ist De Bijenkorf betroffen, das weiterhin große Teile seines Sortiments nicht online verkaufen kann.

Lesezeit ca. 4 Minuten

Ein Cyberangriff auf CEVA Logistics sorgt bei mehreren europäischen Handelsunternehmen für operative und zum Teil massive Einschränkungen. Besonders sichtbar sind die Auswirkungen beim niederländischen Warenhausbetreiber De Bijenkorf: Aus zunächst angekündigten Verzögerungen bei der Auslieferung ist inzwischen ein deutlich eingeschränktes Onlineangebot geworden. Auch der Brillenhändler Ace & Tate musste seine Fulfillment-Abläufe umstellen. Der Vorfall verdeutlicht, wie unmittelbar Störungen bei externen Logistikpartnern inzwischen Verkauf, Warenverfügbarkeit und Kundenbeziehungen beeinflussen können.

De Bijenkorf kann große Teile des Sortiments nicht online verkaufen

Anfangs hatte De Bijenkorf lediglich darauf hingewiesen, dass Bestellungen aus dem weiterhin geöffneten Webshop erst ab dem 4. September ausgeliefert werden sollten. Mittlerweile ist die Beeinträchtigung größer und das Unternehmen hat einen umfangreiche FAQ für Kunden eingerichtet.

Zahlreiche Produkte werden im Onlineshop als nicht verfügbar angezeigt. Nach Angaben von RetailDetail lassen sich derzeit vor allem Waren bestellen, die noch in den stationären Häusern vorhanden sind. Damit wird aus einer Verzögerung im Versand ein unmittelbares Verkaufsproblem, wie auch der niederländische Telegraaf bestätigt.

Gerade für einen Omnichannel-Anbieter ist diese Entwicklung kritisch. Die technische Erreichbarkeit des Shops nutzt wenig, wenn wesentliche Sortimentsbereiche weder regulär bestellt noch über die zentrale Logistik abgewickelt werden können.

De Bijenkorf, vergleichbar mit Breuninger aus Deutschland, beschäftigt rund 4.500 Menschen und betreibt sieben Warenhäuser in den Niederlanden sowie Webshops für den niederländischen und flämischen Markt. Das Distributionszentrum in Tilburg versorgt sowohl die Geschäfte als auch das Onlinegeschäft.

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Angriff auf CEVA trifft die Lieferketten der Kunden

Ursache der Einschränkungen ist keine Attacke auf die Handelssysteme selbst, sondern ein Cybervorfall beim Logistikdienstleister CEVA. Damit rückt ein Risiko in den Mittelpunkt, das für Händler zunehmend relevant wird: Die eigene IT kann geschützt sein, während ein Ausfall eines eng integrierten Partners dennoch zentrale Geschäftsprozesse blockiert.

CEVA, das in Europa auch mit Zalando zusammenarbeitet, übernimmt als international tätiger Kontraktlogistiker komplexe Aufgaben entlang der Lieferkette. Müssen Systeme zur Eindämmung eines Angriffs abgeschaltet oder isoliert werden, kann dies Lagerbestände, Auftragsverarbeitung und Versandprozesse der Kunden unmittelbar beeinträchtigen.

Der Vorfall besitzt zudem eine Datenschutzkomponente. Nach bisherigen Angaben könnten persönliche Informationen von Kunden wie Namen, Anschriften, Telefonnummern oder bestellbezogene Daten betroffen sein. Passwörter und Zahlungsinformationen sollen nach dem derzeitigen Kenntnisstand dagegen nicht abgeflossen sein.

Auch Kunden des Spieleunternehmens Valve erhielten Hinweise auf einen möglichen Verlust personenbezogener Informationen im Zusammenhang mit dem CEVA-Vorfall. Damit reichen die Folgen über den niederländischen Einzelhandel hinaus. Das gesamte Ausmaß und die Zahl der betroffenen Unternehmen und Verbraucher sind noch nicht abschließend bekannt.

Ace & Tate setzt bei Brillen auf Filialabholung

Auch Ace & Tate reagiert auf die Störung. Brillenfassungen werden derzeit nicht regulär verschickt, sondern können zur Abholung in einem Geschäft bestellt werden. Kontaktlinsen lassen sich dagegen weiterhin auf dem üblichen Versandweg beziehen.

Die Auswirkungen unterscheiden sich damit je nach Produkt und Fulfillment-Prozess. Gleichzeitig profitiert Ace & Tate von seinem Filialnetz. Der 2013 gegründete Omnichannel-Anbieter betreibt nach eigenen Angaben 85 Geschäfte in neun Ländern und beschäftigt mehr als 650 Menschen.

Die stationären Standorte schaffen in der aktuellen Situation eine Alternative zur eingeschränkten Zustellung. Der Fall demonstriert damit zugleich einen Vorteil von Omnichannel-Strukturen: Fallen zentrale Versandprozesse aus, können Händler zumindest Teile des Geschäfts auf Click & Collect und vorhandene Filialbestände verlagern.

Bol bislang ohne vergleichbare Einschränkungen

Nach Informationen von RetailDetail gehört auch der niederländische Online-Marktplatz Bol zum Kreis der vom CEVA-Vorfall betroffenen Unternehmen. Vergleichbare Lieferprobleme wurden dort bislang jedoch nicht bekannt.

Bol gehört zu Ahold Delhaize und zählt zu den wichtigsten E-Commerce-Anbietern in den Niederlanden und Belgien. Der Handelskonzern erzielte 2025 einen Nettoumsatz von 92,4 Milliarden Euro.

Dass derselbe Cyberangriff verschiedene Kunden unterschiedlich stark trifft, hängt unter anderem vom Umfang ausgelagerter Prozesse, der technischen Verzahnung mit dem Dienstleister, vorhandenen Ausweichmöglichkeiten sowie den konkret betroffenen Systemen und Logistikstandorten ab.

Störung trifft De Bijenkorf in angespanntem Marktumfeld

Für De Bijenkorf kommt die Einschränkung zu einem schwierigen Zeitpunkt. Der Premium- und Luxusmarkt steht unter Druck, während das Unternehmen für 2025 von einer zurückhaltenden Konsumnachfrage berichtete.

Der ausgewiesene Nettoumsatz erhöhte sich zwar um 2,8 Prozent. Ein direkter Vergleich ist allerdings nur bedingt möglich, da das Geschäftsjahr 2024 lediglich elf Monate umfasste. Auf vergleichbarer Basis sanken die Kundenausgaben 2025 um 8,3 Prozent. Auch die Besucherzahl im Onlinegeschäft ging leicht zurück.

Beim operativen Ergebnis gelang dagegen eine Verbesserung von 23,8 Millionen auf 24,7 Millionen Euro. Als Gründe nannte De Bijenkorf unter anderem bessere Margen, eine konsequentere Kostensteuerung und effizientere operative Prozesse.

Eine länger anhaltende Einschränkung des Onlinegeschäfts könnte deshalb zusätzliche wirtschaftliche Belastungen verursachen. Belastbare Aussagen über mögliche Umsatzverluste sind derzeit jedoch nicht möglich. Ausschlaggebend sind Dauer und Umfang der Störung sowie die Frage, welcher Teil der Nachfrage auf Filialbestände oder spätere Käufe ausweichen kann.

Cyberresilienz endet nicht an der eigenen IT-Grenze

Der CEVA-Fall macht eine grundlegende Schwachstelle digitalisierter Handelsstrukturen sichtbar. Selbst umfassende Investitionen in die eigene Cybersicherheit schützen Händler nicht vor den Folgen eines Angriffs auf einen geschäftskritischen Dienstleister.

Logistikunternehmen sind besonders sensibel, weil ihre Systeme zahlreiche Funktionen verbinden. Bestelldaten, Kundendaten, Lagerbestände, Versandaufträge und Schnittstellen zu Händlern sowie Transportpartnern treffen dort aufeinander.

Cyberresilienz im Handel muss deshalb die gesamte Lieferkette berücksichtigen. Entscheidend ist nicht allein, wie gut Webshop, Warenwirtschaft oder Zahlungssysteme geschützt sind. Unternehmen müssen ebenso bewerten, wie schnell wichtige Partner nach einem Angriff reagieren und Systeme wiederherstellen können, welche Ersatzprozesse existieren und ob sich Aufträge auf andere Lager oder Dienstleister verlagern lassen.

De Bijenkorf nutzt bereits stationäre Bestände, um zumindest einen Teil der Onlinebestellungen weiter zu ermöglichen. Ace & Tate wiederum lenkt Kunden bei Brillen auf Click & Collect um.

Damit geht der CEVA-Angriff über eine vorübergehende Versandstörung hinaus. Der Fall zeigt, dass digitale Logistik zu einer geschäftskritischen Infrastruktur des Handels geworden ist. Fällt ein zentraler Dienstleister aus, können sich technische Probleme innerhalb kurzer Zeit auf Warenverfügbarkeit, Lieferfähigkeit und schließlich den Umsatz übertragen.

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