Die geplante Anhebung der Tabaksteuer stößt bei der deutschen Tabakwirtschaft auf deutliche Kritik. Der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) sowie der deutsche Hersteller Reemtsma warnen vor sinkenden Einnahmen des Staates, rückläufigen Verkäufen im regulären Handel und einer möglichen Ausweitung des Schwarzmarktes. Nach Angaben der Branche stehen erwartete zusätzliche Steuereinnahmen von bis zu 11,8 Milliarden Euro bis 2030 auf dem Spiel.
Verband verweist auf frühere Steuererhöhungen
Der BVTE sieht Parallelen zu den Tabaksteueranhebungen zwischen 2002 und 2005. Damals sei der Absatz regulär versteuerter Zigaretten deutlich zurückgegangen, während Verbraucher verstärkt auf günstigere Bezugsquellen ausgewichen seien.
Nach Darstellung des Verbandes blieben die seinerzeit erwarteten zusätzlichen Staatseinnahmen hinter den Prognosen zurück.
BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke befürchtet, dass höhere Preise erneut Einkäufe im Ausland und den Handel mit unversteuerten Zigaretten begünstigen könnten. Ob sich diese Entwicklung wiederholt, lässt sich aus den bisherigen Erfahrungen allein allerdings nicht ableiten.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Zigarettensteuereinnahmen bereits rückläufig
Der Verband verweist zudem auf eine rückläufige Entwicklung des Steueraufkommens. Nach seinen Angaben lagen die Einnahmen aus der Zigarettensteuer in den ersten neun Monaten 2026 um 9,3 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert.
Gleichzeitig kritisiert der BVTE die Berechnungsgrundlagen für die erwarteten Mehreinnahmen. Aus Verbandssicht berücksichtigen die Prognosen mögliche Ausweichreaktionen der Verbraucher nicht ausreichend.
Auch die fehlende Einbeziehung von Nikotinbeuteln in die Besteuerung wird beanstandet.
Kritik am Gesetzgebungsverfahren
Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen bemängelt der Verband den zeitlichen Ablauf der parlamentarischen Beratungen. Für Stellungnahmen zum Regierungsentwurf hätten den betroffenen Organisationen lediglich 22 Stunden zur Verfügung gestanden.
Weitere Änderungen seien erst kurz vor der Anhörung im Finanzausschuss bekannt geworden. Nach Einschätzung des BVTE habe dies eine umfassende Prüfung der möglichen Folgen erschwert.
Der Verband fordert deshalb, die tatsächlichen Auswirkungen der Steueränderungen regelmäßig zu untersuchen.
Reemtsma sieht Risiken für den legalen Handel
Auch der Tabakhersteller Reemtsma warnt vor wirtschaftlichen Folgen für Hersteller und Einzelhandel. Das Unternehmen befürchtet, dass höhere Verkaufspreise Kunden stärker zu nicht regulär versteuerten Produkten oder grenzüberschreitenden Einkäufen bewegen könnten.
Dadurch könnten nach Darstellung des Herstellers Umsätze, Arbeitsplätze und Wertschöpfung im deutschen Markt unter Druck geraten.
Reemtsma spricht sich stattdessen für schrittweise und langfristig planbare Steueranpassungen aus. Als Beispiel nennt das Unternehmen den seit 2011 angewendeten stufenweisen Anstieg der Tabaksteuer.
Auswirkungen sollen überprüft werden
BVTE und Reemtsma verlangen eine regelmäßige Bewertung der Steuerentwicklung. Dabei sollen insbesondere das Steueraufkommen, die Verkäufe im legalen Markt, grenzüberschreitende Einkäufe und mögliche Verschiebungen zwischen Produktgruppen untersucht werden.
Die Warnungen stammen von Interessenvertretern der Tabakwirtschaft. Ob die prognostizierten Einnahmeausfälle und Schwarzmarkteffekte tatsächlich eintreten, bleibt offen.
Für den Einzelhandel ist vor allem entscheidend, wie sich die Steueranpassungen auf Verkaufspreise, Nachfrage und die Absatzentwicklung regulär versteuerter Tabakprodukte auswirken.



