Die wirtschaftliche Stimmung in der Europäischen Union hat sich im Oktober 2026 zum zweiten Mal in Folge verschlechtert. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) der EU-Kommission sank sowohl in der EU als auch im Euroraum um 0,6 Punkte auf 96,9 Zähler. Damit liegt der Indikator weiterhin unter seinem langfristigen Durchschnitt von 100 Punkten.
Besonders im Einzelhandel, bei Dienstleistungsunternehmen und unter Verbrauchern nahm die Zuversicht ab. Gleichzeitig verbesserten sich die Beschäftigungserwartungen leicht. Die Ergebnisse stammen aus den harmonisierten Unternehmens- und Verbraucherbefragungen der Europäischen Kommission, die zwischen dem 1. und 22. Oktober durchgeführt wurden.
Einzelhandel verzeichnet deutlichen Vertrauensverlust
Das Geschäftsklima im europäischen Einzelhandel verschlechterte sich im Oktober um 1,7 Punkte. Ausschlaggebend war vor allem eine negativere Bewertung der Geschäftsentwicklung in den vergangenen drei Monaten. Auch die Erwartungen für die kommenden Monate und die Einschätzung der Warenbestände fielen ungünstiger aus.
Im Dienstleistungssektor sank das Vertrauen um 0,7 Punkte. Unternehmen bewerteten sowohl ihre jüngste Geschäftslage als auch die bisherige Nachfrage zurückhaltender. Die Erwartungen an die künftige Nachfrage verbesserten sich dagegen.
Die Bauwirtschaft verzeichnete einen Rückgang des Vertrauensindikators um 0,9 Punkte. Besonders die Beschäftigungspläne der Unternehmen entwickelten sich schwächer.
Lediglich in der Industrie verbesserte sich die Stimmung leicht um 0,3 Punkte. Dabei spielte insbesondere die günstigere Bewertung der Fertigwarenbestände eine Rolle.
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Verbraucher werden bei größeren Anschaffungen vorsichtiger
Das Verbrauchervertrauen in der EU ging um weitere 1,2 Punkte zurück. Damit setzte sich die Abschwächung aus dem Vormonat fort. Die Haushalte beurteilten sowohl ihre bisherige als auch ihre erwartete finanzielle Situation ungünstiger. Zudem sank die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen.
Die Einschätzung der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung im eigenen Land blieb hingegen weitgehend stabil.
Für den Einzelhandel ist insbesondere die geringere Kaufbereitschaft relevant. Wenn Verbraucher geplante größere Ausgaben verschieben, kann dies die Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern belasten.
Auch die wirtschaftliche Unsicherheit nahm zu. Der entsprechende EU-Indikator stieg um 1,7 Punkte auf 19,8 Zähler. Bei Verbrauchern erreichte die Unsicherheit über die künftige finanzielle Lage den höchsten Stand seit April 2025.
Deutschland und Niederlande mit schwächerer Stimmung
Die Entwicklung fiel in den großen europäischen Volkswirtschaften unterschiedlich aus. Besonders deutlich verschlechterte sich das Wirtschaftsklima in den Niederlanden. Dort sank der ESI um 3,4 Punkte. Deutschland verzeichnete einen Rückgang um 0,7 Punkte, Spanien um 0,5 Punkte.
In Italien verbesserte sich die Stimmung dagegen um 0,8 Punkte. Frankreich und Polen meldeten mit Zuwächsen von 0,1 beziehungsweise 0,2 Punkten nahezu unveränderte Werte. Insgesamt blieb die wirtschaftliche Stimmung sowohl in der EU als auch im Euroraum unter ihrem langfristigen Durchschnitt.
Unternehmen rechnen mit höheren Verkaufspreisen
Trotz der schwächeren Konjunkturstimmung stiegen die Verkaufspreiserwartungen der Unternehmen in sämtlichen untersuchten Wirtschaftsbereichen. In der Industrie erhöhte sich der entsprechende Indikator um 3,4 Punkte. Im Einzelhandel betrug der Anstieg 2,8 Punkte.
Auch Bauunternehmen und Dienstleister rechneten häufiger mit höheren Preisen. Ihre Indikatoren legten um 2,4 beziehungsweise 2,1 Punkte zu. Damit lagen die Verkaufspreiserwartungen in allen vier Branchen weiter über ihren langfristigen Durchschnittswerten.
Auch die Verbraucher nahmen die Preisentwicklung der vergangenen zwölf Monate stärker wahr. Der entsprechende Indikator erhöhte sich um 3,9 Punkte. Die Inflationserwartungen für die kommenden zwölf Monate blieben dagegen auf einem bereits hohen Niveau unverändert.
Beschäftigungserwartungen steigen trotz Konjunkturschwäche
Ein positiveres Bild zeigte sich bei den Beschäftigungsplänen. Der Employment Expectations Indicator (EEI) stieg in der EU um 0,6 Punkte auf 98,9 Zähler. Im Euroraum erhöhte er sich um 0,7 Punkte auf 98,2.
Vor allem Unternehmen aus Industrie und Einzelhandel planten häufiger zusätzliche Beschäftigung. In der Dienstleistungsbranche und insbesondere im Baugewerbe verschlechterten sich die Personalplanungen dagegen.
Die vierteljährliche Befragung zeigte außerdem eine leicht höhere Kapazitätsauslastung in der europäischen Industrie. Sie stieg gegenüber Juli um 0,5 Prozentpunkte auf 78,4 Prozent, blieb damit jedoch unter dem langfristigen Durchschnitt von 80,3 Prozent.
Als Produktionshemmnis nannten 33,9 Prozent der Industrieunternehmen eine unzureichende Nachfrage. Weitere 17 Prozent verwiesen auf Arbeitskräftemangel.
Die Oktober-Ergebnisse zeichnen damit ein uneinheitliches Bild der europäischen Konjunktur. Während sich die Beschäftigungsaussichten etwas aufhellen, belasten schwächere Konsumerwartungen, zunehmende Unsicherheit und steigende Verkaufspreiserwartungen das wirtschaftliche Umfeld.
Für den Einzelhandel bleiben insbesondere die zurückhaltende Kaufbereitschaft der Verbraucher und die Entwicklung der Betriebskosten entscheidende Faktoren.




