Künstliche Intelligenz gehört für die große Mehrheit der Studierenden in Deutschland inzwischen zum Alltag. Gleichzeitig werden die von KI-Anwendungen erzeugten Inhalte häufig nicht konsequent kontrolliert. Lediglich 29 Prozent der Befragten einer aktuellen EY-Studie geben an, Ergebnisse grundsätzlich zu überprüfen.
Mehr als ein Fünftel der Studierenden kontrolliert KI-generierte Texte und andere Inhalte dagegen selten oder überhaupt nicht. Zugleich nutzen 87 Prozent entsprechende Anwendungen regelmäßig, 44 Prozent sogar täglich. Für die Untersuchung befragte EY im Frühjahr 2026 mehr als 2.000 Studierende.
Leistungsstarke Studierende prüfen Ergebnisse häufiger
Beim Umgang mit KI zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen. Von den Studierenden, die ihre eigenen akademischen Leistungen als exzellent einschätzen, kontrollieren 36 Prozent KI-Ergebnisse grundsätzlich. Bei Befragten mit einer unterdurchschnittlichen Selbsteinschätzung liegt der Anteil bei 25 Prozent.
Frauen überprüfen die Resultate mit 32 Prozent häufiger konsequent als Männer mit 26 Prozent. Unterschiede gibt es auch zwischen den Fachrichtungen. In den Kulturwissenschaften kontrollieren 35 Prozent der Befragten die Ergebnisse immer, in den Sprach- und Literaturwissenschaften sind es 34 Prozent.
Deutlich niedriger liegen die Werte bei Studierenden der Wirtschaftswissenschaften mit 24 Prozent und der Medizin mit 25 Prozent. Gleichzeitig ist die Nutzung besonders unter Wirtschaftsstudierenden hoch: 93 Prozent dieser Gruppe verwenden KI mindestens mehrmals pro Woche.
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Zustimmung zu KI im Studium geht zurück
Grundsätzlich befürwortet weiterhin eine deutliche Mehrheit den Einsatz künstlicher Intelligenz an Hochschulen. 79 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass KI im Studium erlaubt sein sollte. Gegenüber der entsprechenden Befragung aus dem Jahr 2024 ist der Anteil allerdings um fünf Prozentpunkte gesunken.
EY sieht in der intensiven Nutzung sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Entscheidend sei, KI nicht lediglich als Werkzeug zur Automatisierung von Aufgaben einzusetzen, sondern Ergebnisse kritisch zu hinterfragen und einzuordnen. Eigenständiges Urteilsvermögen dürfte nach Einschätzung der Beratungsgesellschaft auf einem zunehmend automatisierten Arbeitsmarkt weiter an Bedeutung gewinnen.
Die hohe Nutzungsintensität zeigt zugleich, wie stark die Technologie bereits im Hochschulalltag angekommen ist. Männer verwenden KI mit 49 Prozent häufiger täglich als Frauen mit 40 Prozent.
Mehrheit erwartet wachsende Bedeutung im Berufsleben
Beim Blick auf die berufliche Zukunft ergibt sich ein differenziertes Bild. 24 Prozent der Studierenden halten Kenntnisse über KI-Anwendungen im Arbeitsumfeld bereits heute für unverzichtbar. Weitere 54 Prozent erwarten, dass entsprechende Kompetenzen künftig essenziell werden.
Lediglich 22 Prozent rechnen nicht damit, dass KI-Anwendungen im Berufsleben unverzichtbar sein werden. Dennoch erwartet weniger als die Hälfte eine besonders große persönliche Bedeutung: 45 Prozent gehen von einer großen Rolle der Technologie für das eigene Berufsleben aus, weitere 45 Prozent lediglich von einer geringen Bedeutung. Zehn Prozent erwarten überhaupt keinen Einfluss.
Damit unterscheiden die Befragten offenbar zwischen der allgemeinen Bedeutung von KI-Kompetenzen für den Arbeitsmarkt und dem erwarteten Einfluss auf die eigene berufliche Tätigkeit.
37 Prozent sehen KI als persönliches Karriererisiko
Neben den Chancen wächst die Sorge vor negativen Folgen. 37 Prozent betrachten künstliche Intelligenz als Gefahr für den eigenen Arbeitsplatz beziehungsweise die persönliche Karriere. Unter Männern liegt der Anteil bei 40 Prozent, unter Frauen bei 33 Prozent. 22 Prozent sehen für sich dagegen keinerlei Gefahr.
Besonders skeptisch sind Studierende aus den Kulturwissenschaften. Dort rechnen 58 Prozent mit einem Risiko für die eigene Karriere. In den Sprach- und Literaturwissenschaften beträgt der Anteil 53 Prozent. Deutlich niedriger liegen die Werte in den Naturwissenschaften mit 26 Prozent und den Sozialwissenschaften mit 27 Prozent.
Auch die Selbsteinschätzung der akademischen Leistung zeigt Unterschiede. Sowohl Studierende, die sich als unterdurchschnittlich einstufen, als auch jene mit exzellenter Selbsteinschätzung sehen häufiger persönliche Risiken als die Gruppe mit durchschnittlichen Leistungen.
Mehrheit befürchtet Arbeitsplatzverluste durch KI
Noch skeptischer fällt die Einschätzung für den gesamten Arbeitsmarkt aus. 53 Prozent der Studierenden gehen davon aus, dass künstliche Intelligenz Arbeitsplätze eher gefährden wird. Lediglich 27 Prozent erwarten unter dem Strich positive Auswirkungen auf die Beschäftigung.
Damit trifft eine bereits sehr intensive Nutzung der Technologie auf erhebliche Unsicherheit über deren langfristige wirtschaftliche Folgen. Die Studierenden erwarten mehrheitlich, dass KI-Kompetenzen im Berufsleben wichtiger werden, während gleichzeitig mehr als jeder Dritte Risiken für die eigene Karriere sieht.
Für Hochschulen und Arbeitgeber entsteht daraus eine doppelte Herausforderung. Neben dem technischen Umgang mit KI gewinnen Fähigkeiten zur Bewertung und Kontrolle automatisiert erzeugter Ergebnisse an Bedeutung. Die EY-Erhebung zeigt, dass gerade bei dieser kritischen Prüfung trotz der inzwischen alltäglichen Nutzung noch deutliche Unterschiede bestehen.


