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Frasers Group erhöht Anteil an Hugo Boss auf knapp 48 Prozent

BOSS Store in Ginza Tokio
Foto: HUGO BOSS Group

Key takeaways

Frasers hat seine Beteiligung an Hugo Boss nach dem Übernahmeangebot auf 47,89 Prozent erhöht und nähert sich damit der absoluten Mehrheit. Hugo Boss steht unterdessen vor einem schwierigen Geschäftsjahr und hält an seinem strategischen Umbau fest.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Der Machtkampf um Hugo Boss tritt in eine neue Phase. Die britische Frasers Group hat laut offiziellem Filing ihre Beteiligung an dem Modekonzern auf 47,89 Prozent erhöht. Damit nähert sie sich der absoluten Mehrheit, ohne diese bislang zu erreichen.

Frasers ist bereits seit 2020 bei Hugo Boss engagiert und hat seine Position schrittweise ausgebaut. Im Juni 2026 folgte schließlich ein freiwilliges öffentliches Barangebot für sämtliche Hugo-Boss-Aktien. Geboten wurden 38 Euro je Aktie. Bei Ankündigung entsprach dies lediglich einem Aufschlag von rund vier Prozent auf den damaligen Schlusskurs von 36,46 Euro und den volumengewichteten Dreimonatsdurchschnitt. Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss lehnten die Offerte im Juli einstimmig ab. Der Preis spiegele weder den eigenständigen Wert noch das langfristige Wertschöpfungspotenzial angemessen wider.

Dennoch verkauften zahlreiche Aktionäre. Nach Ablauf der zusätzlichen Annahmefrist am 13. August hält Frasers nun 47,89 Prozent.

Aus Beteiligung wird eine Machtposition

Formal besitzt Frasers damit noch keine absolute Kapitalmehrheit. Wirtschaftlich haben sich die Kräfteverhältnisse jedoch deutlich verschoben. Ein Aktionär mit annähernd der Hälfte des Kapitals verfügt auf Hauptversammlungen über erhebliches Gewicht, insbesondere wenn nicht der gesamte Streubesitz vertreten ist.

Frasers kann damit stärker auf strategische Entscheidungen und die Besetzung von Kontrollgremien einwirken. Zugleich wird es für Hugo Boss schwieriger, wichtige Entscheidungen gegen den Willen des Großaktionärs durchzusetzen.

Bemerkenswert ist, dass Hugo Boss den Übernahmeversuch ausdrücklich nicht unterstützte. Bereits im Juni bezeichnete das Unternehmen das Angebot als nicht abgestimmt. Im Juli empfahlen Vorstand und Aufsichtsrat den Aktionären gemeinsam, die Offerte abzulehnen.

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Frasers baut Premiumgeschäft aus

Der Vorstoß passt zur Expansionsstrategie der Frasers Group. Der Konzern mit Wurzeln im britischen Sportartikelhandel baut seit Jahren sein Engagement im Premium- und Luxussegment aus.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Luxus- und Premiumhandelskette Flannels. Nur wenige Tage vor der jüngsten Entwicklung bei Hugo Boss sorgte Frasers zudem mit der Übernahme von Harvey Nichols für Aufmerksamkeit. Am 13. August erwarb die Gruppe den traditionsreichen britischen Luxuskaufhausbetreiber aus einem Insolvenzverfahren.

Frasers übernimmt unter anderem die britischen Warenhäuser, das Onlinegeschäft, Warenbestände und mehr als 1.000 Beschäftigte. Zusammen mit Flannels und der Beteiligung an Hugo Boss unterstreicht der Zukauf den Ausbau des höherpreisigen Modegeschäfts.

Mike Ashley hat den Verwaltungsrat von Frasers zwar 2022 verlassen, bleibt als beherrschender Aktionär aber eine zentrale Figur hinter der Investmentstrategie des Konzerns.

Hugo Boss steht operativ unter Druck

Der Ausbau der Beteiligung trifft Hugo Boss in einer anspruchsvollen Phase. Der Umsatz sank 2025 leicht von 4,307 Milliarden auf 4,270 Milliarden Euro. Gleichzeitig verbesserte sich das EBIT von rund 361 auf knapp 391 Millionen Euro. Der Konzerngewinn stieg von etwa 224 auf 259 Millionen Euro.

Innerhalb des Markenportfolios entwickelten sich die Geschäfte unterschiedlich. BOSS Menswear steigerte den Umsatz leicht auf 3,346 Milliarden Euro. BOSS Womenswear fiel dagegen von 297 auf 280 Millionen Euro zurück, HUGO von 682 auf 644 Millionen Euro.

Für 2026 erwartet das Management weiteren Gegenwind. Der währungsbereinigte Umsatz soll im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich sinken. Beim EBIT rechnet Hugo Boss mit 300 bis 350 Millionen Euro und damit mit einem Ergebnis unter dem Vorjahresniveau.

Konzern setzt auf eigenen Umbau

Hugo Boss hält trotz des schwierigen Umfelds an seinem strategischen Umbau fest. Nach „CLAIM 5“ soll die Weiterentwicklung unter „CLAIM 5 TOUCHDOWN“ fortgesetzt werden. Bis 2028 will sich der Konzern zu einer führenden technologiegesteuerten Modeplattform im Premiumbereich entwickeln.

Ende 2025 beschäftigte Hugo Boss weltweit 20.020 Menschen. Das Unternehmen verfügte über rund 8.000 Verkaufspunkte und war in mehr als 70 digitalen Märkten vertreten. Die Zahl der eigenen Retail-Verkaufsstellen lag bei 1.462.

Frasers baut seinen Einfluss damit auf einen der größten börsennotierten deutschen Premium-Modekonzerne aus – und trifft auf ein Unternehmen mitten in einer strategischen und operativen Transformation.

50-Prozent-Marke rückt in den Fokus

Nach dem Anstieg auf 47,89 Prozent fehlen Frasers rechnerisch nur noch gut zwei Prozentpunkte zur absoluten Kapitalmehrheit. Ob die Briten diese Schwelle kurzfristig überschreiten wollen, bleibt offen.

Bereits die heutige Beteiligung verschafft dem Konzern jedoch eine außergewöhnlich starke Stellung. Für Hugo Boss entsteht damit eine neue Situation: Das Unternehmen bleibt börsennotiert und formal eigenständig, steht aber einem Großaktionär gegenüber, dessen Anteil unmittelbar an die Mehrheitsgrenze heranreicht.

Strategisch würde Hugo Boss zudem zum Umbau des Frasers-Portfolios passen. Der britische Konzern will sich längst nicht mehr allein über Sports Direct und das Massengeschäft definieren. Flannels, Harvey Nichols und Beteiligungen an Modemarken sollen das Premiumgeschäft stärken.

Die entscheidende Frage lautet deshalb zunehmend nicht mehr, ob Frasers bei Hugo Boss erheblichen Einfluss besitzt, sondern wie weit der britische Konzern diesen künftig nutzen wird.

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