Die Unternehmen Panthax GmbH, die in Österreich den Textildiscounter Higgins betreibt, steht nach einem kurz vor Weihnachten eingereichten Insolvenzantrag überraschend vor dem Aus. Die Homepage ist bereits nicht mehr erreichbar und die Filialen sollen österreichischen Medienberichten nach vollständig geschlossen werden sollen. Eine Sanierung ist nicht geplant, der Marktaustritt scheint endgültig.
Kurzlebiger Höhenflug einer Discounter-Idee
Panthax wurde erst im Januar 2025 gegründet – mit dem Ziel, mit der Marke Higgins im preisaffinen Segment des Modehandels Fuß zu fassen. Hinter Higgins stand kein Geringerer als Snipes-Gründer Sven Voth, der in 2024 das stark gewachsene Unternehmen verlassen hatte. Der Produktmix von Higgins umfasste neben Eigenmarken auch bekannte Labels wie Puma, Levi’s und Crocs. Der Werbeslogan „Wer mehr zahlt ist dümmer … immer!“ spiegelte die aggressive Preispolitik wider, mit der Marktanteile gewonnen werden sollten. Vertrieblich setzte man auf eine Kombination aus stationären Geschäften und Multikanal-Vertrieb.
Insgesamt zehn Filialen unter der Marke Higgins entstanden binnen kürzester Zeit in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark. Aufmerksamkeit hatte erregt, als im Sommer alle 10 Filialen am selben Tag eröffnet wurden. Eine Expansion nach Deutschland war für 2027 geplant.
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Insolvenzgrund: Fehlkalkulation und Überforderung
Der wirtschaftliche Misserfolg stellte sich jedoch offenbar rasch ein. Bereits im traditionell starken Schulbeginn- und Weihnachtsgeschäft blieben die Umsätze deutlich hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig explodierten die Kosten – unter anderem wegen aufwendiger Ausbauten der Filialen, die das Budget überstiegen. Das Verhältnis von Investition zu Ertrag geriet zunehmend aus dem Gleichgewicht.
Laut Angaben aus dem Insolvenzantrag bestehen Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro. Rund 220 Gläubiger und 56 Beschäftigte sind betroffen. Die Löhne wurden bis November 2025 ausbezahlt, danach war die Liquidität erschöpft. Da kein Sanierungsantrag gestellt wurde, ist eine Fortführung der Geschäftstätigkeit ausgeschlossen. Die genaue Bewertung des Unternehmensvermögens steht noch aus.
Interne Missstände belasten zusätzlich
Parallel zur finanziellen Schieflage traten offenbar interne Missstände zutage. Mehrere ehemalige und aktuelle Mitarbeiter berichteten gegenüber MeinBezirk von chaotischen Eröffnungsphasen, fehlender Infrastruktur und problematischem Führungsverhalten. In mehreren Filialen mussten Mitarbeitende unter Zeitdruck und ohne Sicherheitsausrüstung Regale im Dunkeln aufbauen – in teils noch nicht fertiggestellten Räumlichkeiten.
Die Kommunikation innerhalb des Unternehmens erfolgte häufig nur über kurze WhatsApp-Nachrichten. Pausen wurden teilweise untersagt, Arbeitszeiten von 06:00 bis 21:00 Uhr waren keine Ausnahme. Kritik äußerten Mitarbeitende auch an fragwürdigen Personalentscheidungen. Kündigungen wurden demnach teils ohne belegbare Gründe ausgesprochen, etwa wegen angeblicher Diebstähle oder angeblicher Dienstvergehen. Zwar sind die Schilderungen laut MeinBezirk bisher nicht unabhängig überprüft, doch wurden sie laut Betroffenen an mehreren Standorten übereinstimmend bestätigt.
Ende eines Experiments
Die Kombination aus überambitioniertem Wachstum, unrealistischen Planungen und mangelhafter Unternehmensführung führte letztlich zur Insolvenz. Was als dynamischer Markteintritt geplant war, endete nach nur vier Monaten mit einem Totalausfall. Higgins wird damit zum Mahnmal eines zu schnell gewachsenen Konzepts, das in der Praxis nicht tragfähig war.


