Das Umweltbundesamt (UBA) hat in einer neuen Studie die Nachhaltigkeitsarbeit der deutschen Einzelhandelsbranche untersucht und teils scharf kritisiert. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) wehrt sich gegen die Ergebnisse. BVLH-Geschäftsführer Philipp Hennerkes erklärt gegenüber Table Media, die Studie nehme die Rolle des Handels in der Wertschöpfungskette falsch wahr. Der Handel sei „weder Gatekeeper noch kann und will er beliebig auf die Produzenten einwirken“, so Hennerkes.
Die am Donnerstag im Rahmen der „grünen Woche“ veröffentlichte UBA-Studie stellt einerseits Fortschritte bei der Kommunikation zur Nachhaltigkeit fest, wirft den Handelsunternehmen andererseits aber auch gravierende Versäumnisse vor. So gebe es in den meisten Konzernen keine einheitliche und durchgängige Nachhaltigkeitsstrategie. Als Beispiel nennt die Studie die Haltungsformkennzeichnung, die wesentliche Aspekte außer Acht lasse. Auch mangele es an Bemühungen, den Absatz von Fleisch aus höheren Haltungsstufen zu steigern.
Das Umweltbundesamt empfiehlt den Handelsunternehmen daher unter anderem, stärker auf ihre Lieferanten einzuwirken und nicht nachhaltige Produkte konsequent aus dem Sortiment zu nehmen. Gleichzeitig sollten Erzeuger finanziell unterstützt werden, um die Kosten für höhere Standards zu kompensieren. UBA-Präsident Dirk Messner betonte jedoch, dass ein „Weiterreichen der Anforderungen“ an die Landwirte nicht zielführend sei und nur zu wachsendem Unmut führe.
Die Handelsbranche sieht die Anforderungen des UBA jedoch kritisch. Philipp Hennerkes vom BVLH weist darauf hin, dass die Nachhaltigkeitsabteilungen vieler Unternehmen bereits jetzt stark belastet seien – etwa durch Berichtspflichten im Zusammenhang mit dem Lieferkettengesetz oder der EU-Entwaldungsverordnung. Auch die freiwillige Mitwirkung an der UBA-Studie sei aufgrund zahlreicher Indikatoren, die es zu liefern gelte, mit erheblichem Aufwand verbunden.