Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft appellieren mit Nachdruck an die Bundesregierung: 2026 müsse zum entscheidenden Reformjahr werden, um den Wirtschaftsstandort wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Beim Münchener Spitzengespräch machten DIHK, BDA, BDI und ZDH deutlich, dass Deutschland nach drei Jahren ohne Wachstum an einem kritischen Punkt stehe. Globale Spannungen, technologische Umbrüche und eine spürbar verschlechterte Standortqualität erhöhten den Druck auf Unternehmen erheblich.
Wachsende Belastungen, schwindende Widerstandskraft
Lange sei es der Wirtschaft gelungen, ungünstige Rahmenbedingungen zu kompensieren. Doch laut Verbändeerklärung mehren sich nun Anzeichen struktureller Ermüdung. Viele politische Vorhaben blieben bislang Ankündigungen, während Unternehmen dringend verlässliche Perspektiven bräuchten. Die Spitzenverbände fordern daher klar priorisierte Maßnahmen und einen konsequenten Abbau bestehender Belastungen.
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Sozialversicherungen reformieren
Besonders kritisch sehen die Verbände den starken Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge. Ohne tiefgreifende Reformen in Kranken-, Pflege- und Rentensystem drohten weitere Belastungen für Beschäftigte und Arbeitgeber. Empfohlen werden eine Anpassung des Renteneintrittsalters, der Abbau von Frühverrentungsanreizen sowie die vollständige Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus Steuermitteln.
Steuerpolitik wettbewerbsfähig gestalten
Deutschland sei im internationalen Vergleich ein Hochsteuerland und verliere dadurch an Attraktivität für Investitionen. Eine frühzeitige Senkung der Körperschaftsteuer und Entlastungen beim Einkommensteuertarif seien dringend notwendig. Eine stärkere Substanzbesteuerung – etwa durch höhere Erbschaftssteuern auf Betriebsvermögen – würde die Probleme laut Verbänden verschärfen.
Bürokratie endlich abbauen
Trotz richtiger Ansätze müsse die Bundesregierung beim Bürokratieabbau erheblich schneller vorankommen. Ein Drittel der Berichtspflichten und die Hälfte der Dokumentationsanforderungen sollten bis Ende 2026 abgeschafft sein. Gleichzeitig dürften neue Gesetze nicht zusätzliche Belastungen erzeugen. Die Verbände warnen insbesondere vor mehr Bürokratie durch geplante Regelungen wie das Tariftreue- oder Entgelttransparenzgesetz.
Hohe Energiekosten als Standortrisiko
Die im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hohen Energiepreise seien eine der größten Wachstumsbremsen. Notwendig seien kurzfristige Entlastungen wie die Senkung der Stromsteuer, aber auch strukturelle Reformen des Energiesystems. Dazu zählen ein effizienterer Netzausbau und ein klarer Rahmen für planbare Energiekosten.
Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen
Ob Infrastruktur, Digitalisierung oder industrielle Projekte: Zu lange Verfahren bremsten Investitionen und Erneuerung aus. Die Verbände sehen in einem ambitionierten Infrastruktur-Zukunftsgesetz und einer konsequenten Modernisierungsagenda zentrale Voraussetzungen für Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsstärke.
Innovation und Resilienz stärken
Damit Deutschland langfristig wettbewerbsfähig bleibt, müsse der Transfer von Forschung in wirtschaftliche Anwendungen verbessert und Förderprozesse verschlankt werden. Gleichzeitig sei der Aufbau resilienter Infrastrukturen in Energie, Digitalisierung, Gesundheitswesen und Telekommunikation entscheidend.
Europäischen Binnenmarkt und Handel stärken
Für eine starke Wettbewerbsposition brauche es einen wirtschaftsorientierten europäischen Kurs. Bürokratische Hürden im Binnenmarkt müssten sinken, wachstumsorientierte Maßnahmen Vorrang haben. Zudem fordern die Verbände eine rasche Umsetzung der Handelsabkommen mit Mercosur und Indien sowie weitere internationale Partnerschaften.


