Nach wochenlangen Bemühungen ist die Rettung des traditionsreichen Herrenausstatters Wormland endgültig gescheitert. Das Amtsgericht Osnabrück hat das Insolvenzverfahren über die Theo Wormland GmbH offiziell eröffnet. Rund 250 Beschäftigte sowie die Vermieter der verbliebenen acht Filialen erhalten nun die endgültigen Kündigungen. Zwei Filialen – in Hannover und Oberhausen – bleiben lediglich noch für kurze Abverkaufsaktionen geöffnet. Auch die Website von Wormland ist bereits nicht mehr erreichbar.
Zweite Insolvenz innerhalb von zwei Jahren
Wormland stand bereits 2024 am Rande des Abgrunds. Damals nutzte das Unternehmen ein Schutzschirmverfahren, das in einer erfolgreichen Restrukturierung und der Übernahme durch das Osnabrücker Modehaus Lengermann & Trieschmann (L&T) mündete. Im Zuge dieser Sanierung wurde das Filialnetz verkleinert, der Hauptsitz von Hannover nach Osnabrück verlegt und der zuvor mit großen Ambitionen vorgelegte E-Commerce-Vorstoß eingestampft.
Doch der erhoffte Neuanfang erwies sich als nicht tragfähig: Im November 2025 folgte der nächste Insolvenzantrag und die neue Eigentümerin L&T musste Fehleinschätzungen zur Tragfähigkeit des Geschäfts einräumen. Der erneute und nun endgültige Zusammenbruch ist laut Insolvenzverwalter Stephan Michels auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Anhaltend schwache Nachfrage im Premium-Herrensegment, unverändert hohe Fixkosten und vor allem stark gestiegene Mieten in Innenstadtlagen. Auch wenn es mehrere Interessenten für eine Übernahme gegeben habe, scheiterten die Gespräche regelmäßig an fehlenden Kompromissen mit Vermietern.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Ein Fall mit Signalwirkung für den Einzelhandel
Wormland galt jahrzehntelang als Inbegriff stilvoller Herrenmode. Das Unternehmen wurde 1935 in Hannover gegründet, überstand Krieg und Zerstörung, expandierte in den Nachkriegsjahrzehnten und wurde später unter dem Dach einer Stiftung weitergeführt. Zuletzt war die Marke nach mehreren Eigentümerwechseln Teil des L&T-Portfolios.
Die jüngste Insolvenz ist nicht nur das Ende eines Unternehmens mit fast 100-jähriger Geschichte, sondern ein Beispiel für die strukturellen Probleme im stationären Modehandel: sinkende Kundenfrequenzen, wachsende Konkurrenz durch Online-Anbieter und Mietkosten, die selbst etablierte Anbieter nicht mehr schultern können.
Konsequenzen eines tiefgreifenden Wandels
Der Fall Wormland verdeutlicht, wie schwer es stationäre Händler inzwischen haben, selbst mit bekannten Marken und treuer Kundschaft. Die Probleme, die zum endgültigen Aus führten, sind symptomatisch für viele mittelständische Formate, die sich nicht schnell genug an veränderte Rahmenbedingungen anpassen können. Trotz Investitionen, neuer Eigentümer und mehrerer Sanierungsversuche bleibt am Ende nur die Erkenntnis: Tradition allein schützt nicht vor dem Wandel.



