Amazon hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem deutlichen Umsatz- und Ergebniswachstum abgeschlossen. Der Gesamtumsatz stieg laut Quartalsbericht im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf 716,9 Milliarden US-Dollar, wobei Wechselkursveränderungen nur einen geringen Einfluss hatten. Besonders stark entwickelte sich das internationale Geschäft, das um 13 Prozent auf 161,9 Milliarden US-Dollar zulegte. In Nordamerika wuchs der Umsatz um 10 Prozent auf 426,3 Milliarden US-Dollar. Auch die Ertragslage verbesserte sich deutlich: Der operative Gewinn kletterte auf 80 Milliarden US-Dollar, nach 68,6 Milliarden im Vorjahr.
Noch mehr als die Rückschau sorgt allerdings eine andere Zahl für Aufsehen: Amazon will im Jahr 2026 rund 200 Milliarden US-Dollar (ca. 186 Mrd. Euro) an Investitionen tätigen – eine Steigerung von über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Fokus stehen der Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI), die Weiterentwicklung eigener Chips sowie der Ausbau von Logistik- und Cloud-Kapazitäten.
Starkes Wachstum bei AWS trotz Konkurrenz
Die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) bleibt eine zentrale Säule des Unternehmens. Im vierten Quartal 2025 stiegen die Umsätze um 24 Prozent auf 35,6 Milliarden US-Dollar (ca. 33 Mrd. Euro). Das ist das stärkste Wachstum in 13 Quartalen. Der Jahresumsatz von AWS liegt nun bei 128,7 Milliarden US-Dollar (ca. 120 Mrd. Euro), mit einem operativen Gewinn von 45,6 Milliarden US-Dollar (ca. 42 Mrd. Euro) – deutlich mehr als im Vorjahr.
Amazon unaufhaltsam
Investitionen in KI-Chips und Agenten-Technologien
Ein großer Teil der Investitionen fließt in Amazons eigene Chipentwicklung. Die KI-Prozessoren der Trainium-Serie sowie die Graviton-CPUs werden inzwischen von über 90 Prozent der größten AWS-Kunden genutzt. Die nächste Generation, Trainium4, soll 2027 auf den Markt kommen und sechsfach höhere Rechenleistung bieten. Bereits jetzt ist die Nachfrage so hoch, dass nahezu der gesamte Bestand von Trainium3 bis Mitte 2026 verplant ist.
Im Bereich der KI-Agenten baut Amazon seine Plattform „Bedrock“ weiter aus. Diese bietet Zugriff auf über 20 verschiedene KI-Modelle – darunter Modelle von Anthropic, Google, OpenAI und Mistral AI. Neue Tools wie „AgentCore“, „Nova Act“ oder der „AWS DevOps Agent“ sollen es Unternehmen ermöglichen, KI-gestützte Prozesse selbstständig und sicher zu automatisieren.
Zudem bietet AWS Unternehmen mit den neuen „AI Factories“ die Möglichkeit, eigene Rechenzentren in Hochleistungsumgebungen für KI-Anwendungen umzurüsten – eine Alternative zum eigenständigen Aufbau kostspieliger Infrastruktur.
Handels- und Logistikgeschäft wächst weiter
Besonders stark wuchs dabei das Angebot an Same-Day-Delivery, das in den USA um 70 Prozent mehr Bestellungen als im Vorjahr verzeichnete uns sowohl im Heimarkt USA als auch in Deutschland neue Rekorde aufstellte. Auch die ultraschnelle „Amazon Now“-Lieferung wurde in weiteren Ländern eingeführt.
Amazon investiert parallel in den Ausbau seines Gesundheitsgeschäfts: Die Apothekensparte bietet inzwischen in über 3.000 US-Städten die taggleiche Zustellung verschreibungspflichtiger Medikamente an. Zudem wurde die KI-Shoppingassistenz „Rufus“ deutlich weiterentwickelt und kommt inzwischen bei über 300 Millionen Kunden zum Einsatz – sie generierte 2025 rund 12 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Jahresumsätzen.
Unterhaltung, Hardware und neue Dienste
Auch im Entertainmentbereich setzt Amazon auf Wachstum: Die Streaming-Rechte für die UEFA Champions League wurden in mehreren europäischen Märkten bis 2031 verlängert. Die NFL-Übertragungen erreichten Rekordwerte, ebenso wie die Einführung der NBA auf Prime Video. Gleichzeitig brachte Amazon eine neue Generation von Kindle-Geräten auf den Markt und erweitert das Angebot von Alexa+.
Ein weiterer Innovationsschwerpunkt liegt auf der Satelliteninternet-Sparte Amazon Leo: Mit der Einführung der Antenne „Leo Ultra“ kündigt das Unternehmen eine Internetlösung mit bis zu 1 Gbps Downloadgeschwindigkeit an, die auf eigens entwickelter Hardware basiert. Die mit dem Starlink-Wettbewerber verbundenen Kosten fließen ebenfalls in das geplante Investitionsvolumen für 2026 ein.
Börsenreaktion und Ausblick
Trotz der beeindruckenden Zahlen und Innovationen zeigte sich der Kapitalmarkt skeptisch. Die geplanten Investitionen belasten kurzfristig den freien Cashflow, der 2025 auf 11,2 Milliarden US-Dollar zurückging – ein drastischer Rückgang gegenüber 38,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024. Zwar stieg der operative Cashflow um 20 Prozent, dennoch überwiegen aktuell bei vielen Anlegern die Sorgen über die Rentabilität der massiven Ausgaben.
Für das erste Quartal 2026 prognostiziert Amazon Umsätze zwischen 173,5 und 178,5 Milliarden US-Dollar – ein Plus von bis zu 15 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Auch wenn CEO Jassy langfristig eine starke Kapitalrendite erwartet, steht Amazon angesichts der aggressiven Expansionsstrategie unter genauer Beobachtung der Investoren.


