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Breuninger-Verkauf offenbar gestoppt – Bewertung zu hoch, Markt zu schwach

Breuninger Haus in München
Breuninger in München / Foto: Breuninger

Key takeaways

Breuninger stoppt Medienberichten nach den (offiziell nie bestätigten) Verkaufsprozess, da die Angebote offenbar nicht den Erwartungen entsprachen. Bewertungslücke, schwieriges Marktumfeld und geringe Margen führen nun zu einer strategischen Pause – trotz initial starkem Interesse potenzieller Käufer.

Lesezeit ca. 4 Minuten

Der geplante Verkauf des Stuttgarter Multi-Channel-Händlers Breuninger ist offenbar vorerst gescheitert. Die Eigentümerfamilien haben nach einem Bericht der WirtschaftsWoche den Verkaufsprozess gestoppt, nachdem keines der abgegebenen Angebote den angestrebten Preisvorstellungen entsprach. Seit Sommer 2024 hatten sie gemeinsam mit der Investmentbank Macquarie einen strukturierten Bieterprozess initiiert – doch die Differenz zwischen Wunsch und Marktwert erwies sich offenbar als unüberbrückbar.

2,5 Milliarden Euro: Anspruch und Realität

Im Markt kursierte eine Bewertung von rund 2,5 Milliarden Euro, wovon etwa 1,8 Milliarden auf das umfangreiche Immobilienportfolio entfielen. Nach Abzug der Verbindlichkeiten wären etwa zwei Milliarden Euro Nettoerlös möglich gewesen. Doch gerade die operative Handelssparte gilt als margenschwach, weshalb potenzielle Käufer die angestrebte Gesamtbewertung weitgehend als zu ambitioniert einschätzten. Für viele Investoren war klar: Der Immobilienwert ist hoch, das operative Geschäft dagegen liefert nur begrenzte Renditeaussichten. Ein separater Verkauf der Immobilien – ein sogenannter Break-up-Deal – kam für die Eigentümer, auch aufgrund der Vernetzung mit den stationären Filialen, offenbar nicht infrage.

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Assets: Premium-Immobilien, starke Marke und profitabler Onlinekanal

Die heutige Breuninger-Gruppe vereint 13 Premium- und Luxuswarenhäuser in deutschen Top-Lagen sowie weitere Standorte in Luxemburg und ein Outlet in Stuttgart. Ergänzt wird das stationäre Geschäft durch einen in zehn Ländern aktiven Onlineshop, der inzwischen mehr als die Hälfte des Jahresumsatzes von rund 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Hinzu kommen Gastronomiekonzepte, Friseursalons und ein hochmodernes Logistikzentrum in Sachsenheim – Bausteine eines integrierten Handelsmodells, das stationäre Erlebnisflächen und digitale Reichweite eng verzahnt.

Im Zentrum der Bewertungsdiskussion stehen jedoch die Immobilien. Das Portfolio – darunter innerstädtische Premium-Objekte sowie großflächige Handelsimmobilien wie die „Breuningerländer“ – wird auf rund 1,8 Milliarden Euro taxiert und macht damit den Großteil des kolportierten Unternehmenswertes von bis zu 2,5 Milliarden Euro aus. Gerade in einem Umfeld, in dem operative Einzelhandelsrenditen unter Druck stehen, gelten diese Immobilien als eigentlicher Werttreiber. Sie sind es, die internationale Investoren ebenso anziehen wie strategische Käufer – und die den Verkaufsprozess letztlich zu einer Frage der richtigen Struktur und des richtigen Zeitpunkts machen.

Großes Interesse – prominente Interessenten

Das Interesse am Verkaufsprozess, der seitens Breuninger nie offiziell bestätigt wurde, war damaligen Berichten nach enorm. Insgesamt sollen sich 31 potenzielle Käufer gemeldet haben. Unter ihnen befanden sich Handelsunternehmen, Finanzinvestoren und internationale Konzerne. Besonders überraschend war das offiziell unbestätigte Interesse von Amazon, das sowohl das stationäre Geschäft als auch die Immobilien geprüft haben soll. Auch die thailändische Central Group, die unter anderem im KaDeWe-Umfeld aktiv ist, sowie das Family Office von Richard Baker, der aktuell primär mit der Saks-Insolvenz beschäftigt ist, gehörten zum Kreis möglicher Käufer.

Im europäischen Warenhaussektor galten El Corte Inglés und Galeries Lafayette als Kandidaten mit strategischem Interesse. Für das Immobilienportfolio wiederum prüften Institutionen wie Deka Immobilien, DWS, Union Investment sowie große internationale Investoren wie Apollo Global Management und Morgan Stanley den Einstieg.

Handel unter Druck – Bewertung bleibt herausfordernd

Der Abbruch des Verkaufsprozesses verdeutlicht die strukturellen Schwierigkeiten des stationären Modehandels. Steigende Kosten, schwankende Konsumstimmung und der digitale Wettbewerb drücken auf die Margen. Selbst ein Premiumanbieter wie Breuninger mit starken Innenstadthäusern und einem erfolgreichen Onlinegeschäft kann sich dieser Marktdynamik nicht entziehen. Für Investoren zählt deshalb vor allem die Frage, ob sich der strategische Wert einer Akquisition über reine Finanzkennzahlen hinaus rechtfertigen lässt.

Historie: Vom Stuttgarter Textilgeschäft zur Omnichannel-Ikone

Die Wurzeln von Breuninger reichen zurück ins Jahr 1881, als Eduard Breuninger in Stuttgart ein Textilgeschäft eröffnete – mit einer für die Zeit ungewöhnlich klaren Serviceorientierung und Innovationsfreude. Früh führte er kundenfreundliche Neuerungen wie ein Rückgaberecht ein und legte damit den Grundstein für eine Unternehmenskultur, die den Kunden konsequent in den Mittelpunkt stellt. Unter seinem Enkel Heinz Breuninger entwickelte sich das Haus nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der profiliertesten Warenhäuser Deutschlands. Er forcierte die Expansion, modernisierte die Standorte und positionierte Breuninger in den 1960er-Jahren bewusst im Premium- und Luxussegment – eine strategische Entscheidung, die das Markenbild bis heute prägt.

Nach dem frühen Tod von Heinz Breuninger 1980 begann eine neue Eigentümerära. Mit Willem van Agtmael trat erstmals ein familienfremder Manager an die Spitze, später folgten komplexe gesellschaftsrechtliche Umstrukturierungen und ein viel beachteter Rechtsstreit um die Auflösung der Breuninger Stiftung. Spätestens mit dem Ausbau des Onlinegeschäfts ab 2008 und der konsequenten Verzahnung von Filialen, E-Commerce und Services etablierte sich Breuninger als Omnichannel-Vorreiter im deutschen Modehandel – ein Ruf, der den strategischen Wert des Unternehmens heute maßgeblich bestimmt.

Strategische Pause statt endgültiges Aus

Die Entscheidung gegen einen kurzfristigen Verkauf bedeutet keinen Richtungswechsel. Die Eigentümer wollen die Marktbedingungen beobachten und bleiben grundsätzlich offen für einen späteren Wiedereinstieg in einen Verkaufsprozess. Bis dahin bleibt Breuninger in Familienhand und kann seine strategische Weiterentwicklung ohne externen Druck fortsetzen. In einem Markt, der zunehmend von Konsolidierung geprägt wird, könnte sich ein längerer Atem als vorteilhaft erweisen.

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