Die deutsche Ernährungsindustrie hat das erste Halbjahr 2026 mit rückläufigen Umsätzen abgeschlossen. Nach Angaben der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) sanken die Erlöse um 2,3 Prozent auf 115,8 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Rückgang um rund 2,7 Milliarden Euro.
Hauptursache sind sinkende Verkaufspreise bei gleichzeitig hohen Produktionskosten. Obwohl die Unternehmen insgesamt etwas mehr Lebensmittel absetzten, verschlechterten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Lebensmittelindustrie verliert 2,3 Prozent Umsatz
Die Umsatzrückgänge betrafen sowohl das deutsche Geschäft als auch den Export. Im Inland gingen die Erlöse um 2,4 Prozent zurück, während die Auslandsumsätze um 2,1 Prozent sanken.
Bei den Absatzmengen zeigte sich dagegen eine leicht positive Entwicklung. Insgesamt verkauften die Unternehmen 0,9 Prozent mehr Waren als im Vorjahreszeitraum.
Im Inland blieb das Absatzvolumen mit einem Minus von 0,1 Prozent nahezu stabil. Das Auslandsgeschäft entwickelte sich mit einem Mengenwachstum von 2,5 Prozent deutlich besser.
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Sinkende Verkaufspreise belasten die Gewinnmargen
Der Umsatzrückgang ist vor allem auf niedrigere Verkaufspreise zurückzuführen. Im deutschen Markt sanken diese durchschnittlich um 2,3 Prozent, im Exportgeschäft sogar um 4,5 Prozent.
Die Hersteller stehen unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Eine zurückhaltende Konsumnachfrage und intensive Preisverhandlungen erschweren es den Unternehmen, höhere Kosten an ihre Abnehmer weiterzugeben.
Gleichzeitig bleiben die Aufwendungen für Energie, Personal und Produktion hoch. Die Kombination aus sinkenden Erlösen und anhaltenden Kostenbelastungen verringert die Ertragskraft der Betriebe.
Absatz im Ausland wächst um 2,5 Prozent
Trotz rückläufiger Exportumsätze konnte die deutsche Ernährungsindustrie ihre Absatzmengen auf internationalen Märkten steigern. Das Mengenplus von 2,5 Prozent zeigt, dass die Nachfrage nach deutschen Lebensmitteln im Ausland weiterhin vorhanden ist.
Allerdings führten die deutlich niedrigeren Verkaufspreise dazu, dass die zusätzlichen Mengen den Umsatzrückgang nicht ausgleichen konnten. Die Unternehmen erzielten somit trotz höherer Absatzvolumina geringere Erlöse.
Auch im Inland blieb die Nachfrage mengenmäßig weitgehend konstant. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ergeben sich daher weniger aus einem starken Absatzeinbruch als aus dem Zusammenspiel von Preisentwicklung und Kostenstruktur.
Lebensmittelproduktion seit Jahren rückläufig
Neben der aktuellen Umsatzschwäche verweist die BVE auf langfristige strukturelle Probleme. Der reale Produktionsindex der deutschen Ernährungsindustrie zeigt über die vergangenen zehn Jahre einen rückläufigen Trend.
Damit steht nicht nur die kurzfristige Ertragsentwicklung unter Druck. Auch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandorts Deutschland bereitet dem Branchenverband Sorgen.
Nach Einschätzung der BVE könnten dauerhaft hohe Kosten und zusätzliche Belastungen Investitionen erschweren. Dies würde die Möglichkeiten zur Modernisierung und Weiterentwicklung heimischer Produktionskapazitäten begrenzen.
BVE fordert Entlastung bei Energie und Bürokratie
Der Branchenverband sieht insbesondere die Wirtschaftspolitik in der Verantwortung. Gefordert werden wettbewerbsfähige Energiepreise, geringere Standortkosten und ein konsequenter Abbau bürokratischer Anforderungen.
Zusätzliche steuerliche und regulatorische Belastungen lehnt die BVE ab. Sie könnten die ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation vieler Lebensmittelhersteller weiter verschärfen.
Marcel Winter, verantwortlich für Marktdaten und Konjunktur bei der BVE, warnt vor einem fortschreitenden Verlust industrieller Wertschöpfung. Ohne bessere Standortbedingungen drohe die Lebensmittelproduktion in Deutschland langfristig weiter zurückzugehen.
Investitionsfähigkeit der Branche unter Druck
Die rückläufigen Umsätze schränken nach Einschätzung des Verbandes den finanziellen Handlungsspielraum der Unternehmen ein. Besonders Investitionen in moderne Anlagen, effizientere Produktionsverfahren und neue Technologien könnten darunter leiden.
Für die kommenden Jahre sieht die BVE deshalb die Sicherung wettbewerbsfähiger Produktionsbedingungen als zentrale Aufgabe. Entscheidend sei, dass sich die Herstellung von Lebensmitteln am Standort Deutschland wirtschaftlich dauerhaft lohnt.
Der Verband verbindet damit auch die Sicherung von Beschäftigung und industrieller Wertschöpfung. Die Halbjahreszahlen unterstreichen aus seiner Sicht den Handlungsbedarf bei Energiepreisen, Regulierung und Standortkosten.




