Unternehmen investieren 2026 deutlich mehr in Digitalisierung und künstliche Intelligenz – doch der erhoffte Mehrwert bleibt häufig hinter den Erwartungen zurück. Das zeigt die aktuelle „Digital Value Studie“ der Managementberatung Horváth.
Budgets steigen deutlich – KI im Fokus
Rund zwei Drittel der Unternehmen planen, ihr Digitalisierungsbudget zu erhöhen – im Schnitt um 30 Prozent. Ein wachsender Anteil davon fließt direkt in KI-Projekte, die mittlerweile etwa ein Drittel der gesamten Investitionen ausmachen.
Die steigende Investitionsbereitschaft wird jedoch nicht ausschließlich durch konkrete Bedarfe getrieben. Vielmehr spielt auch der zunehmende Druck durch Anbieter eine Rolle, während das Topmanagement KI aktuell deutlich stärker priorisiert als andere Technologien.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Zweifel an der Reife von KI-Lösungen
Trotz steigender Budgets bleibt die Skepsis groß: Zwei Drittel der Befragten bewerten die Reife vieler KI-Angebote als unzureichend. Erwartungen an Funktionalität und Praxistauglichkeit werden häufig nicht erfüllt.
Damit entsteht ein Spannungsfeld zwischen wachsender Investitionsdynamik und begrenztem tatsächlichem Nutzen.
Strategische Defizite bremsen Wirkung
Ein zentrales Problem liegt in der fehlenden strategischen Grundlage. Nur etwa die Hälfte der Unternehmen verfügt über eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie mit klar definierten Zielen.
Der Rest arbeitet mit fragmentierten Ansätzen oder ganz ohne übergreifendes Konzept. Gleichzeitig werden Risiken der Umsetzung oft unterschätzt – nur ein Drittel prüft geplante Maßnahmen systematisch. Die Folge sind Ineffizienzen, steigende Kosten und sinkende Akzeptanz.
Verantwortung bleibt in der IT verankert
In Deutschland wird Digitalisierung weiterhin überwiegend als technisches Thema behandelt. In rund 70 Prozent der Unternehmen liegt die Verantwortung beim CIO oder der IT-Leitung.
Im internationalen Vergleich zeigt sich ein anderes Bild: In den USA ist Digitalisierung deutlich häufiger auf CEO-Ebene angesiedelt und damit stärker mit der Unternehmensstrategie verknüpft. Die starke IT-Fokussierung hierzulande birgt das Risiko, dass geschäftlicher Mehrwert und neue Geschäftsmodelle in den Hintergrund rücken.
Fehlende Steuerung des Wertbeitrags
Auch bei der Erfolgsmessung bestehen Defizite. Weniger als die Hälfte der Unternehmen bewertet den Wertbeitrag ihrer Digitalisierungsmaßnahmen regelmäßig.
Zentrale Erfolgsfaktoren wie die Integration in das Performance Management, klare Verantwortlichkeiten und messbare Zielsysteme sind zwar bekannt, aber oft nicht konsequent umgesetzt. In vielen Unternehmen bleiben diese Elemente unvollständig etabliert.
Umsetzungslücke als zentrales Problem
Die größten Herausforderungen liegen weniger im Wissen als in der Umsetzung. Silodenken, mangelnde bereichsübergreifende Zusammenarbeit und unzureichendes Prozessmanagement erschweren den Fortschritt.
Hinzu kommen fehlende Kennzahlen, schwaches Management-Commitment und generelle Implementierungsschwächen. Dadurch entsteht eine Lücke zwischen ambitionierten Zielen und realisierten Ergebnissen.
Mehr Disziplin statt mehr Projekte
Die Studie zeigt deutlich: Höhere Investitionen allein reichen nicht aus. Entscheidend ist, den Wertbeitrag systematisch zu steuern und Digitalisierung ganzheitlich im Unternehmen zu verankern.
Nur mit klaren Strategien, verbindlichen Verantwortlichkeiten und funktionierenden Steuerungsmechanismen lässt sich verhindern, dass Unternehmen trotz hoher Ausgaben am tatsächlichen Nutzen vorbeiinvestieren.


