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Nächste Expansionsstufe: Shein mit neuer Logistik in Polen und Frankfurt

Foto eines Büros von Shein
Foto: Shein Group

Der chinesische Fast-Fashion-Gigant Shein zündet eine neue Stufe seiner Logistikstrategie, indem das Unternehmen physische Logistikstandorte in Europa aufbaut. Mit dem jüngsten Bau einer Niederlassung in Frankfurt am Main und einem bereits angemieteten Logistikzentrum im polnischen Breslau, deutet Shein klar einen weiteren Expansionsschritt für Europa an. Wie die Deutsche Verkehrs-Zeitung berichtet, wird mit einer Fläche von 40.000 Quadratmetern das Breslauer Zentrum als erstes Drehkreuz für die Verteilung von Sheins Produkten in Europa dienen – eine erstmalige Abkehr von der bisherigen Praxis, sämtliche Sendungen ausschließlich per Luftfracht aus größtenteils China zu versenden.

Shein ist bekannt für seine dominante Rolle in der globalen Luftfracht, wobei täglich geschätzte 5.000 Tonnen Fracht aus China verschickt werden. Das Handelsblatt hat dem Thema kürzlich einen eigenen Artikel gewidmet und stellt Mengen von Shein und Temu sowie logistische Auswirkungen ausführlich dar. Denn der weltweite Lufttransport erlebt derzeit Engpässe, die die Frachtraten auf bisher unerreichte Höhen schnellen lassen. Ein Logistikexperte aus Deutschland teilte der Nachrichtenagentur Reuters mit: „Bis Mitte des Jahres 2023 verzeichneten wir eine eher geringe Nachfrage aus China, die jedoch gegen Ende des Jahres abrupt und deutlich anzog.“ Als Hauptverursacher dieses Anstiegs identifizierte man schließlich die Unternehmen Temu und Shein. Sollten die Angriffe der Huthi-Rebellen auf Schiffe im Roten Meer dazu führen, dass Firmen verstärkt auf Luftfracht umsteigen müssen, dürften die vorhandenen Kapazitäten bei Weitem nicht ausreichen, um die zusätzlichen Mengen zu bewältigen. „Der prägendste Trend, der die Luftfrachtbranche momentan beeinflusst, geht nicht vom Roten Meer aus, sondern von chinesischen E-Commerce-Unternehmen wie Shein und Temu“, heißt es in dem Artikel unter Berufung auf Logistikexperten.

Shein bemüht sich zudem, mehrere Lieferanten von Boohoo für seine Expansionspläne im wichtigen Markt Großbritannien zu gewinnen. Der Fast-Fashion-Riese hat laut Drapers Ende letzten Jahres eine Einladung per E-Mail an von Boohoo genutzte Lieferanten verschickt, von denen einige nun mit dem chinesischen Büro in Guangzhou in Gesprächen stehen. In einer E-Mail an potenzielle Lieferanten erklärte der Einzelhändler: „Wir möchten Sie darüber informieren, dass wir weltweit nach geeigneten Lieferanten suchen und hoffen, dass Ihr Unternehmen an einer Zusammenarbeit mit uns interessiert ist.“ Diese Nachricht fällt zusammen mit Sheins schneller UK-Expansion, einschließlich der Ernennung von Gemma Dunne, der ehemaligen Einkaufsdirektorin des zu Boohoo gehörenden Pretty Little Thing, zur ersten Chief Product Officer. Dunne soll Insidern zufolge ein Team von etwa 15 Mitarbeitern in Manchester aufbauen, um eine Marke zu entwickeln, die sich an britischen Trends orientiert.

Die Eröffnung des Logistikzentrums in Breslau, zusammen mit der strategischen Personalrekrutierung in Großbritannien, im Logistikzentrum in Frankfurt sowie für das Headoffice in Berlin, signalisiert eine bedeutende Erweiterung von Sheins operativen Fähigkeiten in Europa. Für Berlin wird über LinkedIn Schlüsselpersonal für Bereiche wie Public Relations und Government Relations recruitiert, womit Shein eine klare Absicht zeigt, eine weitere und tiefer verankerte Marktposition in Europa zu entwickeln. Da Shein mit dem geplanten Börsengang und dem Aufbau von Logistikkapazitäten in den USA gleichermaßen den nordamerikanischen Markt im Visier hat, könnte diese neue Expansionsstufe die Dynamik der globalen Fast-Fashion-Industrie neu definieren.

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