OpenAI weitet sein Werbegeschäft deutlich aus und öffnet den Self-Serve Ads Manager für berechtigte Werbetreibende in Deutschland, Österreich, der Schweiz und zahlreichen weiteren europäischen Märkten. Gleichzeitig startet der direkte Zugang in Indien, dem Nahen Osten und Nordafrika. Unternehmen können ChatGPT-Werbung damit zunehmend eigenständig planen, buchen und verwalten.
Die Expansion folgt auf ein rasantes Wachstum des noch jungen Geschäftsbereichs. Weniger als 200 Tage nach dem Start haben ChatGPT Ads nach Angaben von OpenAI eine annualisierte Umsatzrate von einer Milliarde US-Dollar erreicht. Inzwischen nutzen Zehntausende Werbetreibende die Plattform, wobei Kunden außerhalb der USA einen wachsenden Anteil zum Geschäft beitragen.
Self-Service senkt Einstiegshürde für Werbekunden
Mit dem im Mai 2026 eingeführten Ads Manager hat OpenAI die zuvor stärker von Direktvertrieb, Agenturen und Partnern geprägte Vermarktung für kleinere Unternehmen geöffnet. Für die Einrichtung eines Betakontos müssen Werbetreibende unter anderem das Onboarding und die Verifizierung durchlaufen, Unternehmensinformationen hinterlegen sowie Abrechnung und Zahlung konfigurieren.
Parallel bleibt die Vermarktung über Technologiepartner wie Criteo bestehen. Das Partnerökosystem umfasst inzwischen mehr als 50 Anbieter für Technologie und Messung. Kleine und mittelständische Unternehmen stellen laut OpenAI mittlerweile einen relevanten Anteil des Werbegeschäfts.
Die technische Infrastruktur wird ebenfalls ausgebaut. CPC- und ergebnisoptimierte Gebotsmodelle machen inzwischen den Großteil der Kampagnen aus. Für Messung und Optimierung stehen unter anderem Pixel und Conversions API zur Verfügung, während Produktfeeds, geografisches Targeting, Plattformsteuerung und individuelle Zielgruppen weitere Möglichkeiten eröffnen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
ChatGPT verbindet Suche, Beratung und Kaufentscheidung
OpenAI positioniert ChatGPT als Werbeumfeld, in dem Nutzer ihre Interessen und Anforderungen vergleichsweise detailliert formulieren. Sie suchen beispielsweise Software, planen Anschaffungen oder Renovierungen und vergleichen Produkte sowie Dienstleistungen. Discovery, Bewertung von Alternativen und Entscheidungsfindung können dadurch innerhalb derselben Konversation stattfinden.
Das Werbesystem nutzt den Kontext der aktuellen Unterhaltung, um dazu passende Anzeigen auszuspielen. Abhängig vom jeweiligen Land und den Einstellungen des Nutzers kann zusätzlich Kontext aus der breiteren ChatGPT-Nutzung berücksichtigt werden. Werbung soll damit an konkrete Interessen und Entscheidungssituationen anknüpfen.
Für Werbetreibende liegt darin der zentrale Unterschied zu klassischen reichweitenorientierten Werbeformaten. OpenAI versucht, Anzeigen näher an jene Momente zu bringen, in denen Nutzer bereits Anforderungen definieren, Alternativen prüfen und sich einer Handlung oder Kaufentscheidung nähern.
Anzeigen bleiben von ChatGPT-Antworten getrennt
OpenAI betont bei der Expansion die Trennung zwischen Werbung und den eigentlichen Antworten des Assistenzsystems. Anzeigen werden gekennzeichnet und sollen keinen Einfluss auf die von ChatGPT erzeugten Antworten haben. Werbekunden erhalten zudem keinen Zugriff auf private Unterhaltungen der Nutzer.
Die Personalisierung des Werbeerlebnisses soll über entsprechende Einstellungen kontrollierbar bleiben. Damit versucht OpenAI, sein Werbegeschäft auszubauen, ohne das Vertrauen in die eigentliche ChatGPT-Nutzung zu gefährden.
Die Bedeutung dieser Abgrenzung wächst mit der internationalen Expansion. Je stärker Anzeigen in einem dialogorientierten Umfeld eingesetzt werden, desto wichtiger wird für OpenAI die nachvollziehbare Trennung zwischen bezahlten kommerziellen Botschaften und den Antworten des KI-Systems.
Werbegeschäft erreicht Milliarden-Umsatzrate
ChatGPT Ads sind mittlerweile in mehr als 40 Ländern über das OpenAI Ads Solutions Team sowie Agentur- und Technologiepartner verfügbar. Mit dem erweiterten Self-Service-Zugang kann OpenAI nun einen wesentlich größeren Kreis von Unternehmen direkt erreichen.
Erste von OpenAI veröffentlichte Leistungsbeispiele sollen das Potenzial des Systems unterstreichen. So erreichte ein E-Commerce-Werbekunde über einen Zeitraum von 28 Tagen demnach einen dreifachen Return on Ad Spend. Ein Technologiepartner berichtet zudem, dass mehr als 80 Prozent des über Anzeigen generierten ChatGPT-Traffics von Neukunden stammen.
Das Werbegeschäft bleibt dennoch nur ein Teil des Geschäftsmodells. OpenAI erzielt Einnahmen außerdem mit Verbraucherabonnements, Unternehmensangeboten und nutzungsabhängig abgerechneten APIs. Die werbefinanzierte kostenlose Nutzung soll dabei helfen, ChatGPT einer besonders großen Nutzerbasis zugänglich zu machen.
OpenAI plant weitere Anzeigenformate
Nach der geografischen Expansion soll auch das Produktangebot wachsen. OpenAI kündigt zusätzliche Werbeformate, Kampagnenziele, Buchungsoptionen und Messfunktionen an. Darüber hinaus untersucht das Unternehmen neue Möglichkeiten, wie Unternehmen innerhalb von ChatGPT direkter mit Verbrauchern interagieren können.
Damit entwickelt sich ChatGPT schrittweise zu einer eigenständigen Werbeplattform neben etablierten Such-, Social-Media- und Commerce-Angeboten. Für OpenAI ist der Self-Service-Ausbau dabei ein wichtiger Skalierungsschritt: Je einfacher Unternehmen Kampagnen eigenständig buchen können, desto weniger hängt das Wachstum von Direktvertrieb und großen Agenturkunden ab.
Die bereits erreichte annualisierte Umsatzrate von einer Milliarde Dollar zeigt, dass Werbung innerhalb kurzer Zeit zu einer relevanten Erlössäule geworden ist. Mit der Öffnung weiterer Märkte und dem Ausbau der Buchungstechnologie dürfte OpenAI nun vor allem darauf zielen, aus dem schnellen Start ein global skalierbares Werbegeschäft zu entwickeln.






