Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China stehen erneut auf dem Prüfstand. In Madrid trafen sich am Sonntag Vertreter beider Staaten, um über eine Reihe von Konfliktthemen zu sprechen – darunter die mögliche Zerschlagung der Video-App TikTok in den USA, Zölle auf chinesische Importe und politische Spannungen wegen chinesischer Käufe von russischem Öl. Gastgeber war das spanische Außenministerium im Palacio de Santa Cruz.
Wie CNBC berichtet, wurden die Delegationen von US-Finanzminister Scott Bessent und Handelsbeauftragtem Jamieson Greer sowie Chinas Vizepremier He Lifeng und Handelschef Li Chenggang angeführt. Es ist bereits das vierte Treffen beider Seiten seit Mai – und erneut auf neutralem Boden in Europa.
TikTok-Frist vor möglicher Verlängerung
Besonders aufmerksam wird die Rolle von TikTok verfolgt. Die Trump-Regierung fordert seit Monaten, dass der chinesische Mutterkonzern ByteDance seine US-Aktivitäten verkauft – angeblich aus Gründen der nationalen Sicherheit. Die aktuelle Frist läuft am 17. September ab. Wie aus Kreisen des US-Finanzministeriums verlautete, wird eine weitere Verlängerung erwartet – bereits die vierte seit Trumps Amtsantritt im Januar.
Neu ist, dass TikTok offiziell Teil der Gesprächsagenda war – anders als bei früheren Treffen in Genf, London und Stockholm. Beobachter deuten dies als Versuch der US-Regierung, innenpolitischen Druck abzufedern. Vor allem im Kongress hatten Politiker beider Parteien auf einen klaren Kurs gegenüber ByteDance gedrängt.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Kein Durchbruch, aber Vorbereitung auf Spitzentreffen
Ein konkreter Durchbruch in Madrid gilt als unwahrscheinlich. Vielmehr könnten die Gespräche als Vorbereitung auf ein mögliches Treffen zwischen Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping im Oktober dienen. Dieses soll voraussichtlich im Rahmen des APEC-Gipfels in Seoul stattfinden. Erwartet werden dann Entscheidungen zu TikTok, Agrarimporten und möglicherweise zur Reduzierung spezieller Zölle auf chemische Substanzen wie Fentanyl.
Langfristige wirtschaftliche Streitpunkte – etwa Chinas staatlich subventionierte Exportstrategie oder der US-Wunsch nach mehr Binnenkonsum in China – dürften jedoch weiterhin ungelöst bleiben. Laut der Handelsexpertin Wendy Cutler fehlt derzeit auf beiden Seiten die Bereitschaft zu substanziellen Zugeständnissen.


